Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschliesslich der allgemeinen Information und dem besseren Verstaendnis des Themas. Er stellt keine individuelle rechtliche, gesundheitliche oder fachtechnische Beratung dar und ersetzt nicht die Beurteilung durch eine qualifizierte Fachperson oder ein akkreditiertes Prueflabor. Verbindliche Aussagen zu Ihrem konkreten Fall sind nur auf Basis einer fachgerechten Probenahme und Laboranalyse moeglich.
Teerkleber unter Parkett erkennen: Woran Sie ihn erkennen und wie Sie ihn testen lassen
Wer altes Parkett anhebt oder herausnimmt und darunter eine tiefschwarze, klebrige Schicht entdeckt, steht schnell vor derselben Frage: Ist das harmloser Bitumenkleber oder gesundheitlich bedenklicher Teerkleber? Kurz gesagt: Ein begründeter Verdacht lässt sich an Farbe, Konsistenz und Geruch festmachen – tiefschwarz, zäh-klebrig bis spröde und mit einem teerig-naphthalinartigen Geruch. Sichere Gewissheit gibt es aber nur über eine Laboranalyse einer kleinen Materialprobe, denn schwarzer Bitumenkleber sieht fast identisch aus, enthält jedoch kaum PAK. Dieser Ratgeber erklärt, woran sich Teerkleber unter Parkett erkennen lässt, warum PAK-haltiger Kleber relevant ist und wie eine Materialprobe im Labor untersucht wird.
Was Teerkleber unter Parkett überhaupt ist
Teerkleber – oft auch Schwarzkleber genannt – wurde in Deutschland vor allem bei Parkettverlegungen der 1930er- bis 1970er-Jahre eingesetzt. Hergestellt wurde er in der Regel auf Basis von Steinkohlenteerpech, einem Rückstand aus der Verkokung von Steinkohle. Genau darin liegt das Problem: Steinkohlenteerpech enthält herstellungsbedingt sehr hohe Gehalte an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK, englisch PAH). Diese Stoffgruppe ist der eigentliche Grund, warum der Kleber heute überhaupt untersucht wird.
Zur Einordnung der Grössenordnung: Untersuchte teerhaltige Parkettklebstoffe erreichen laut Daten der BG BAU sehr hohe Werte. Aus rund 2.500 Proben lagen das 50. und das 95. Perzentil bei etwa 800 beziehungsweise 8.000 Milligramm Benzo[a]pyren pro Kilogramm Kleber. Solche Konzentrationen sind ein Vielfaches dessen, was bei anderen schwarzen Klebstoffen üblich ist.
Woran Sie Teerkleber optisch und am Geruch erkennen
Ein erster Verdacht lässt sich mit einfachen Sinneseindrücken begründen. Typische Merkmale sind:
- Farbe: eine tiefschwarze bis dunkelbraune Klebeschicht direkt unter den Parkettstäben, oft mit glänzender Oberfläche.
- Konsistenz: frisch angeschnitten klebrig-zäh, im Alter dagegen häufig spröde und krümelig.
- Geruch: ein charakteristisch teerig-naphthalinartiger Geruch, der an frisch verlegten Asphalt erinnert. Er wird bei Wärme oder Feuchtigkeit meist deutlich stärker.
Diese Merkmale sind ein guter Anhaltspunkt, aber kein Beweis. Der wichtigste Ehrlichkeitshinweis vorab: Schwarze Farbe allein beweist keinen Teer. Schwarzer Parkettkleber kann auch Bitumenkleber sein, also ein Produkt auf Erdölbasis. Optisch sind beide kaum zu unterscheiden.
Schwarz ist nicht gleich Teer: Bitumen oder Teerpech?
Der entscheidende Unterschied liegt nicht im Aussehen, sondern in der Chemie. Bitumen entsteht aus Erdöl und enthält herstellungsbedingt nur etwa 60 mg/kg PAK in der Summe. Steinkohlenteerpech dagegen kann bis zu rund 60.000 mg/kg erreichen – also grob das Tausendfache. Beide Kleber können tiefschwarz, glänzend und klebrig sein.
Weil man den Unterschied dem Material nicht ansieht, führt an einer Laboranalyse in der Regel kein Weg vorbei, wenn es auf eine belastbare Aussage ankommt. Erst die quantitative Bestimmung der PAK-Gehalte zeigt, ob ein harmloser Bitumenkleber oder ein stark PAK-haltiger Teerkleber vorliegt.
Warum PAK-haltiger Teerkleber gesundheitlich relevant ist
PAK sind eine Stoffgruppe aus vielen Einzelverbindungen. Als Leitparameter für die Bewertung dient üblicherweise Benzo[a]pyren (BaP), das stellvertretend für das gesamte PAK-Gemisch gemessen wird. Benzo[a]pyren ist laut DGUV/IFA-Stoffblatt als krebserzeugend (Kategorie 1B) und als hautresorptiv eingestuft – es kann also auch über die Haut aufgenommen werden.
Wichtig für die Einordnung des Alltagsrisikos: Die Gefahr entsteht vor allem bei der Bearbeitung. Beim Schleifen, Bohren oder Aufstemmen werden PAK-Stäube und Naphthalin-Dämpfe freigesetzt. Intakter, überdeckter Kleber gilt dagegen üblicherweise als geringeres Akutrisiko. Für die Innenraumluft nennt das Umweltbundesamt (2021) einen vorläufigen Leitwert von 0,80 Nanogramm Benzo[a]pyren pro Kubikmeter Raumluft. Entscheidend ist deshalb, den PAK-Gehalt in der Regel vor einer Sanierung oder Renovierung zu klären – also bevor überhaupt geschliffen oder gestemmt wird.
Grenzwerte und Bewertung: TRGS 551 und Benzo[a]pyren
Die fachliche Bewertung teer- und PAK-haltiger Materialien orientiert sich an der TRGS 551 („Teer und andere Pyrolyseprodukte aus organischem Material“, herausgegeben von der BAuA). Als grobe Orientierung, bezogen auf den Benzo[a]pyren-Gehalt, lässt sich der Befund in drei Stufen einordnen:
- unter 50 mg/kg BaP: in der Regel unauffällig, das Material gilt üblicherweise nicht als teer-/PAK-relevant im Sinne der TRGS 551.
- ab über 50 mg/kg BaP: teer-/PAK-relevant und damit auffällig; hier gilt das Material im Sinne der TRGS 551 als teerhaltig.
- über 1.000 mg/kg: erheblich. Bezieht sich dieser Wert auf die Summe der 16 EPA-PAK, gilt das Material regelmässig als gefährlicher Abfall und muss entsprechend entsorgt werden (unter anderem im Zusammenspiel mit TRGS 906 und dem Abfallrecht).
Zur sauberen Unterscheidung: Der Schwellenwert von 50 mg/kg bezieht sich auf Benzo[a]pyren allein, die Grenze von 1.000 mg/kg auf die Summe der 16 nach US-EPA definierten PAK. Beides sind unterschiedliche Bezugsgrössen, die eine Laboranalyse getrennt ausweist.
Wie eine Materialprobe im Labor untersucht wird
Der eigentliche Nachweis erfolgt an einer wenige Gramm grossen Materialprobe des Klebers. Der übliche Ablauf im Labor:
- Die Probe wird getrocknet und homogenisiert, also fein gemahlen.
- Anschliessend werden die PAK mit einem Lösemittel aus dem Material extrahiert.
- Der Extrakt wird per Gaschromatographie mit massenselektiver Detektion (GC-MS) auf die 16 EPA-PAK quantifiziert.
Moderne Verfahren erreichen dabei Nachweisgrenzen um 0,01 mg/kg. Das Ergebnis zeigt, welche einzelnen PAK in welcher Konzentration vorliegen und ob eine TRGS-551-Relevanz besteht. Aus diesen Werten – insbesondere dem Benzo[a]pyren-Gehalt und der Summe der 16 EPA-PAK – ergibt sich die Bewertung des Materials.
Probenahme: worauf es üblicherweise ankommt
Die Probenahme kann bei fest anhaftendem, gut zugänglichem Kleber in der Regel selbst erfolgen. Üblich ist folgendes Vorgehen: mit Spachtel oder Meissel ein kleines Stück Kleber beziehungsweise Belag lösen, dabei Staubbildung möglichst vermeiden, die Probe luftdicht verpacken (etwa in einem Schraubglas oder Zip-Beutel) und per Post einsenden. Wer eine belastbare Aussage über eine grössere Fläche möchte, kann eine Mischprobe aus mehreren Punkten derselben Fläche entnehmen. Auch hier gilt: Wer Staub und Bohrmehl vermeidet, senkt zugleich das Risiko, PAK-Stäube freizusetzen.
Doppelrisiko: Asbest im schwarzen Kleber
Ein Punkt wird häufig übersehen: Alte schwarze Kleber – teils als „Cutback“-Kleber bezeichnet – können neben PAK auch Asbest enthalten. Damit besteht ein mögliches Doppelrisiko. Der Nachweis von Asbest in technischen Produkten erfolgt über ein eigenes, mikroskopisches Verfahren, zum Beispiel nach VDI 3866 Blatt 5 (rasterelektronenmikroskopisches Verfahren, REM). Zur Klarstellung, weil es oft verwechselt wird: Blatt 5 beschreibt die REM, nicht die Infrarotspektroskopie – letztere ist Gegenstand des älteren Blatts 2.
Beim Asbestverdacht ist besondere Vorsicht angebracht, weil bei der Bearbeitung Fasern freigesetzt werden können. Verdächtiges Material sollte deshalb üblicherweise nicht trocken geschliffen, gebohrt oder gebrochen werden. Wer Faserfreisetzung vermeidet, senkt zugleich das PAK-Staubrisiko. Bei konkretem Asbestverdacht im schwarzen Kleber kann es sinnvoll sein, die Probenahme einem Fachbetrieb zu überlassen und eine gesonderte Asbest-Materialanalyse durchführen zu lassen; PAK- und Asbestnachweis sind zwei verschiedene Untersuchungen mit unterschiedlicher Aussage.
Wie eine PAK-Materialanalyse per Post einzuordnen ist
Wer den Verdacht auf Teerkleber klären möchte, kann eine Materialprobe im Labor untersuchen lassen. Beim Postversand-Modell entnimmt man selbst eine kleine Probe des Klebers und schickt sie ein; die Auswertung erfolgt anschliessend in einem Fachlabor, und die Bewertung wird verständlich im Kundenportal dargestellt. Für genau diesen Fall bietet Schadstoffalarm.de eine PAK-Analyse per Materialprobe für 89 Euro an, bei der die Probe per GC-MS auf die 16 EPA-PAK untersucht und anhand der TRGS 551 eingeordnet wird.
Ehrlich eingeordnet: Der Betreiber (GUNICO Crown UG, Büttelborn) ist selbst nicht akkreditiert. Die Auswertung findet in externen, teils DAkkS-akkreditierten Partnerlaboren statt, und nicht jedes im Portfolio angebotene Verfahren ist DAkkS-akkreditiert – für die PAK-Bestimmung per GC-MS wird jedoch mit spezialisierten Fachlaboren gearbeitet. Für die Fragestellung „Teerkleber unter Parkett“ ist die PAK-Analyse das fachlich passende Verfahren; andere Portfolio-Verfahren wie die ICP-MS-Metallanalyse oder Chloridbestimmungen betreffen andere Fragestellungen und sollten damit nicht vermischt werden. Bei zusätzlichem Asbestverdacht im schwarzen Kleber ist eine gesonderte Asbest-Materialanalyse der passendere Weg.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich Teerkleber unter meinem Parkett? An einer tiefschwarzen, klebrig bis spröden Klebeschicht unter den Stäben und an einem teerig-naphthalinartigen Geruch, der bei Wärme zunimmt. Sicherheit gibt aber nur eine Laboranalyse, denn schwarzer Bitumenkleber sieht fast identisch aus, enthält jedoch kaum PAK.
Ist PAK-haltiger Teerkleber gefährlich? PAK, insbesondere Benzo[a]pyren, gelten als krebserzeugend. Gefährlich wird es vor allem beim Schleifen, Bohren oder Aufstemmen, weil dabei PAK-Stäube und Dämpfe frei werden. Intakter, abgedeckter Kleber gilt als geringeres Akutrisiko – klären Sie den Gehalt aber in der Regel vor einer Sanierung.
Wie läuft die Untersuchung einer Materialprobe ab? Sie entnehmen ein kleines Stück Kleber, verpacken es luftdicht und senden es per Post ein. Im Partnerlabor wird die Probe extrahiert und per GC-MS auf die 16 EPA-PAK analysiert. Die verständliche Bewertung – unter anderem anhand von Benzo[a]pyren und TRGS 551 – sehen Sie danach in Ihrem Kundenportal.
Ab welchem Wert ist der Kleber ein Problem oder sogar Sondermüll? Ab über 50 mg/kg Benzo[a]pyren gilt das Material als teer-/PAK-relevant nach TRGS 551. Ab über 1.000 mg/kg Summe der 16 EPA-PAK wird es in der Regel als gefährlicher Abfall eingestuft und muss entsprechend entsorgt werden.
Was kostet eine PAK-Analyse und ist das Labor akkreditiert? Die PAK-Analyse kostet 89 Euro. Die Auswertung erfolgt in externen, teils DAkkS-akkreditierten Partnerlaboren. Ehrlich gesagt: Schadstoffalarm.de selbst ist nicht akkreditiert, und nicht jedes Verfahren im Portfolio ist DAkkS-akkreditiert – für PAK per GC-MS wird jedoch mit spezialisierten Fachlaboren gearbeitet.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschliesslich der allgemeinen Information und dem besseren Verstaendnis des Themas. Er stellt keine individuelle rechtliche, gesundheitliche oder fachtechnische Beratung dar und ersetzt nicht die Beurteilung durch eine qualifizierte Fachperson oder ein akkreditiertes Prueflabor. Verbindliche Aussagen zu Ihrem konkreten Fall sind nur auf Basis einer fachgerechten Probenahme und Laboranalyse moeglich.