Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und dem besseren Verständnis des Themas. Er stellt keine individuelle rechtliche, gesundheitliche oder fachtechnische Beratung dar und ersetzt nicht die Beurteilung durch eine qualifizierte Fachperson oder ein akkreditiertes Prüflabor. Verbindliche Aussagen zu Ihrem konkreten Fall sind nur auf Basis einer fachgerechten Probenahme und Laboranalyse möglich.
PAK im Boden und in der Gartenerde: Wann eine Bodenanalyse sinnvoll ist
Die kurze Antwort vorweg: Eine PAK-Untersuchung des Gartenbodens ist nicht generell nötig, kann aber bei konkreten Verdachtsmomenten sinnvoll sein – etwa wenn schwarze Schlacke, Asche oder Teerbrocken im Boden sichtbar sind, wenn das Grundstück in der Nähe alter Industrie- oder Gaswerksstandorte liegt, wenn im eigenen Garten Gemüse oder Obst angebaut werden soll (besonders mit Kleinkindern) oder wenn Bodenaushub abgefahren beziehungsweise wiederverwendet werden soll. PAK (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, englisch PAH) sind eine Stoffgruppe, die bei unvollständiger Verbrennung organischen Materials entsteht. Dieser Ratgeber erklärt, wie sie in den Boden gelangen, welche Werte die Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV) nennt und wie eine Bodenanalyse abläuft.
Wie PAK in den Gartenboden gelangen
PAK sind kein „modernes" Problem, sondern oft ein historisches Erbe im Untergrund. Typische Eintragspfade in Gartenböden sind:
- historische Aschen- und Schlackenwege beziehungsweise Kohle- und Verbrennungsrückstände, die früher als Wegebefestigung eingebaut wurden,
- teerhaltiger Bauschutt und Bitumen in alten Auffüllungen,
- Ruß und atmosphärische Deposition, also der langsame Eintrag aus der Luft,
- Altlasten und Altstandorte in der Umgebung – etwa ehemalige Gaswerke, Kokereien, Teerverarbeitung oder Imprägnierwerke.
Ein sehr praktisches Warnzeichen sind sichtbare Fremdstoffe im Boden: schwarze Schlacke, Asche, Ziegelbruch oder Teerbrocken deuten auf frühere Auffüllungen mit verbrennungsbelastetem Material hin. Wer beim Umgraben auf solche Einschlüsse stößt, hat einen naheliegenden Anlass, genauer hinzuschauen.
Warum PAK gesundheitlich relevant sind
Bei der Bewertung wird meist die Summe der 16 EPA-PAK bestimmt – eine Stoffliste der US-Umweltbehörde EPA. Innerhalb dieser Gruppe dient Benzo[a]pyren (BaP) als Leitparameter, also stellvertretend für das Gefährdungspotenzial des gesamten Gemisches. Der Grund: Mehrere PAK, insbesondere Benzo[a]pyren, gelten als krebserzeugend und erbgutverändernd. Benzo[a]pyren ist von der Internationalen Krebsforschungsagentur (IARC) als Gruppe-1-Kanzerogen eingestuft. Deshalb wird sein Gehalt als Leit- und Bewertungsparameter herangezogen.
Wichtig für die Einordnung: Ein einzelner Zahlenwert ohne Bezug zur Nutzung des Grundstücks ist wenig aussagekräftig. Und eine Überschreitung eines Prüfwerts bedeutet nicht automatisch eine Gefahr, sondern löst zunächst eine Einzelfallprüfung aus – also eine weitergehende Untersuchung und Bewertung. Diese Ehrlichkeit ist wichtiger als Dramatisierung.
Der rechtliche Rahmen: die BBodSchV
Maßgeblich für die Bewertung von PAK im Boden ist die Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV) in ihrer Neufassung, die seit dem 1. August 2023 als Teil der sogenannten Mantelverordnung gilt. Sie unterscheidet drei Kategorien von Werten:
- Vorsorgewerte – zur Vorsorge gegen künftige Schäden,
- Prüfwerte – bei deren Überschreitung eine Einzelfallprüfung erforderlich ist,
- Maßnahmenwerte – ab denen von einer schädlichen Bodenveränderung auszugehen ist.
Vorsorgewerte (Anlage 1)
Die Vorsorgewerte hängen vom Gehalt an organischem Kohlenstoff (TOC) im Boden ab. Für Benzo[a]pyren liegen sie bei 0,3 mg/kg TM (bei einem TOC bis 4 %) beziehungsweise 0,5 mg/kg TM (bei einem TOC über 4 bis 9 %). Für die Summe der PAK16 gelten 3 mg/kg TM (TOC bis 4 %) beziehungsweise 5 mg/kg TM (TOC über 4 bis 9 %). TM steht dabei für Trockenmasse.
Prüfwerte für den Wirkungspfad Boden–Mensch (Anlage 2, Tabelle 4)
Für den direkten Kontakt mit dem Boden ist die Bewertung nutzungsabhängig – derselbe Boden wird also je nach Nutzung unterschiedlich beurteilt. Für Benzo[a]pyren nennt die BBodSchV folgende Prüfwerte:
- Kinderspielflächen: 0,5 mg/kg TM
- Wohngebiete: 1 mg/kg TM
- Park- und Freizeitanlagen: 1 mg/kg TM
- Industrie- und Gewerbegrundstücke: 5 mg/kg TM
Dass eine sensible Nutzung wie ein Kinderspielplatz strenger bewertet wird als ein Gewerbegrundstück, ist gewollt: Kinder halten sich länger und näher am Boden auf.
Maßnahmenwert für den Wirkungspfad Boden–Nutzpflanze (Anlage 2, Tabelle 6)
Für den Anbau von Gemüse und Obst ist ein weiterer Wert relevant. Für den Wirkungspfad Boden–Nutzpflanze (Pflanzenqualität) nennt die BBodSchV für Benzo[a]pyren einen Maßnahmenwert von 1 mg/kg TM. Dieser Wert ist gerade im Nutzgarten von Bedeutung.
Nutzgarten und Kleinkinder: warum die Nutzung zählt
Aus den Werten ergibt sich ein klares Muster: Ein Boden, der auf einem Gewerbegrundstück unauffällig wäre, kann für eine Kinderspielfläche oder einen Nutzgarten anders zu bewerten sein. Wer plant, Gemüse und Obst anzubauen – besonders in einem Haushalt mit Kleinkindern –, hat deshalb einen sachlichen Anlass, den Boden vorab prüfen zu lassen. Es geht dabei nicht um Panik, sondern um eine informierte Entscheidung: Erst das Laborergebnis in Verbindung mit der konkreten Nutzung erlaubt eine belastbare Einordnung.
Probenahme: der wichtigste Schritt
Die richtige Probenahme entscheidet maßgeblich über die Aussagekraft des Ergebnisses – eine sorgfältig gezogene Probe ist mehr wert als eine noch so präzise Analyse einer unrepräsentativen Handvoll Erde. Bodenproben werden in der Regel nach der Normenreihe DIN ISO 18400 entnommen, die schrittweise die ältere DIN ISO 10381 ablöst.
Für eine flächenhafte Beurteilung werden üblicherweise repräsentative Mischproben aus mehreren Einstichen gebildet. Statt an einer einzigen Stelle zu graben, entnimmt man an mehreren, gleichmäßig über die Fläche verteilten Punkten Material und vereinigt es zu einer Mischprobe. So werden lokale Ausreißer ausgeglichen und ein realistischeres Bild der Fläche gezeichnet.
Laboranalytik: DIN ISO 18287
Im Labor erfolgt die Bestimmung der PAK im Boden in der Regel nach DIN ISO 18287 – einer Gaschromatographie mit massenspektrometrischer Detektion (GC-MS) für die 16 EPA-PAK. Die Anwendungsuntergrenze liegt dabei bei rund 0,01 mg/kg je Einzel-PAK, sodass auch geringe Gehalte erfasst werden. Das Ergebnis wird typischerweise als Einzelwerte der 16 Verbindungen und als Summe ausgewiesen, wobei Benzo[a]pyren als Leitparameter besonders im Blick steht.
Bodenaushub und Verwertung
Ein häufig unterschätzter Anlass für eine Analyse ist der Bodenaushub bei Bauarbeiten. Soll ausgehobenes Bodenmaterial wiederverwertet, verfüllt oder entsorgt werden, wird es nach der Ersatzbaustoffverordnung (EBV) und der BBodSchV in Materialklassen eingestuft – zum Beispiel in Bodenmaterial-Klassen wie BM-0, BM-0* oder BM-F*. PAK16 und Benzo[a]pyren gehören dabei zu den Untersuchungsparametern.
Die Einstufung bestimmt, welcher Verwertungsweg zulässig ist und wie hoch die Entsorgungskosten ausfallen. Eine Analyse vorab kann hier Planungssicherheit schaffen und teure Fehlplanungen vermeiden: Wer vor Erdarbeiten weiß, in welche Klasse sein Aushub fällt, kann Abfuhr und Verwertung realistisch kalkulieren, statt später vor überraschenden Entsorgungskosten zu stehen.
Abgrenzung: BBodSchV oder TRGS 551?
Bei PAK begegnen einem zwei ganz unterschiedliche Regelwerke, die man nicht verwechseln sollte. Für teerhaltige Bau- und Straßenbaustoffe – etwa Teerasphalt oder alte Fußbodenklebstoffe – gilt die TRGS 551 aus dem Arbeitsschutz mit eigenen Bezugswerten: Als grobe Orientierung mit Bezug auf Benzo[a]pyren gilt ein Material unter 50 mg/kg als unbedenklich, zwischen 50 und 1.000 mg/kg als auffällig und über 1.000 mg/kg als erheblich belastet.
Für die Bewertung von Garten- und Aushubboden sind jedoch nicht diese TRGS-551-Werte maßgeblich, sondern die BBodSchV-Werte. Die Größenordnungen unterscheiden sich deutlich – deshalb ist es wichtig, immer zu wissen, ob es um eine Materialprobe (Baustoff) oder um eine Bodenprobe geht.
Andere Bodenparameter – ehrlich eingeordnet
Bei Böden können neben PAK weitere Fragestellungen auftauchen, etwa Schwermetalle oder PCB. Diese Parameter sind aktuell nicht im Angebot von Schadstoffalarm.de und müssen daher gesondert bei einem entsprechend ausgestatteten Labor beauftragt werden. Angeboten werden derzeit die PAK-Analyse sowie – für andere Materialien und Fragestellungen – Asbest (nach VDI 3866 Blatt 5 mittels Rasterelektronenmikroskopie), Kationen per ICP-MS (DIN EN ISO 17294-2) sowie Chlorid als Eluat (Auslaugverfahren nach DIN EN 12457) und als Feststoff.
Ein Hinweis speziell zu Asbest: Anders als bei einer Bodenprobe besteht bei asbestverdächtigen Materialien ein Risiko der Faserfreisetzung. Eine unsachgemäße Probenahme kann Fasern in die Luft freisetzen. Es kann daher sinnvoll sein, die Probenahme bei Asbestverdacht einer Fachfirma zu überlassen, statt selbst zu bohren oder zu brechen.
Wie eine PAK-Bodenanalyse bei Schadstoffalarm.de abläuft
Wenn Sie eine Bodenprobe untersuchen lassen möchten, läuft es so ab: Sie bestellen online, senden die Bodenprobe per Post ein, ein Partnerlabor wertet sie aus und die verständliche Bewertung erscheint anschließend im Kundenportal. Der passende Baustein dafür ist die PAK-Analyse für Boden- und Materialproben für 89 EUR.
Zur Ehrlichkeit gehört: Schadstoffalarm.de (Betreiber GUNICO Crown UG, Büttelborn) ist selbst kein akkreditiertes Labor. Die Auswertung erfolgt in externen, teils DAkkS-akkreditierten Partnerlaboren – PAK per GC-MS lässt sich dort akkreditiert bestimmen. Ein pauschales Akkreditierungs-Versprechen für jedes Verfahren gibt es bewusst nicht.
Häufige Fragen
Wie kommen PAK überhaupt in den Gartenboden? Meist über unvollständige Verbrennung: historische Aschen- und Schlackenwege, teerhaltiger Bauschutt oder Bitumen in alten Auffüllungen, Ruß und Deposition sowie Altlasten in der Umgebung (zum Beispiel ehemalige Gaswerke, Kokereien, Teerverarbeitung). Schwarze Schlacke- oder Teerbrocken im Boden sind ein typisches Warnzeichen.
Ab welchem Wert ist PAK im Boden bedenklich? Es gibt keinen einzelnen Grenzwert – die Bewertung hängt von der Nutzung ab. Nach BBodSchV liegt der Prüfwert (Boden–Mensch) für Benzo[a]pyren auf Kinderspielflächen bei 0,5 mg/kg, in Wohngebieten bei 1 mg/kg; im Nutzgarten gilt zusätzlich der Maßnahmenwert von 1 mg/kg (Boden–Nutzpflanze). Eine Prüfwert-Überschreitung bedeutet nicht automatisch Gefahr, sondern erfordert eine Einzelfallprüfung.
Muss ich meinen Gartenboden untersuchen lassen? Nicht generell. Sinnvoll ist es bei konkreten Verdachtsmomenten: sichtbare Schlacke, Asche oder Teer im Boden, altes Industrie- oder Gaswerksgelände in der Nähe, geplanter Gemüse- und Obstanbau (besonders mit Kleinkindern) oder bevor Bodenaushub abgefahren beziehungsweise wiederverwendet werden soll.
Nach welcher Norm wird PAK im Boden analysiert? Die Laboranalyse erfolgt in der Regel nach DIN ISO 18287 (16 EPA-PAK, Bestimmung per GC-MS), die Probenahme nach der Normenreihe DIN ISO 18400 (früher DIN ISO 10381). Benzo[a]pyren dient als Leitparameter, üblich ist die Bildung repräsentativer Mischproben.
Was passiert mit belastetem Bodenaushub bei Bauarbeiten? Soll ausgehobener Boden verwertet, verfüllt oder entsorgt werden, wird er nach Ersatzbaustoffverordnung und BBodSchV in Materialklassen eingestuft; PAK16 und Benzo[a]pyren gehören zu den Untersuchungsparametern. Die Einstufung entscheidet über Verwertungsweg und Entsorgungskosten – eine Analyse vorab schafft Planungssicherheit und kann teure Fehlplanungen vermeiden.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und dem besseren Verständnis des Themas. Er stellt keine individuelle rechtliche, gesundheitliche oder fachtechnische Beratung dar und ersetzt nicht die Beurteilung durch eine qualifizierte Fachperson oder ein akkreditiertes Prüflabor. Verbindliche Aussagen zu Ihrem konkreten Fall sind nur auf Basis einer fachgerechten Probenahme und Laboranalyse möglich.