Informationsbeitrag – keine Beratung

Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und dem besseren Verständnis des Themas. Er stellt keine individuelle rechtliche, gesundheitliche oder fachtechnische Beratung dar und ersetzt nicht die Beurteilung durch eine qualifizierte Fachperson oder ein akkreditiertes Prüflabor. Verbindliche Aussagen zu Ihrem konkreten Fall sind nur auf Basis einer fachgerechten Probenahme und Laboranalyse möglich.

PAK im Haus: Vorkommen, Risiken und Nachweis von polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen

PAK im Haus stammen fast immer aus einer einzigen historischen Quelle: Steinkohlenteer, der jahrzehntelang als Kleber, Abdichtung und Anstrich verbaut wurde. Wer in einem Altbau einen schwarzen, teerartig riechenden Kleber unter dem Parkett, eine alte Teerpappe auf dem Dach oder einen dunklen Schwarzanstrich im Keller findet, hat es potenziell mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen zu tun. Die entscheidende Nachricht vorweg: Ob ein solches Material harmlos oder stark belastet ist, lässt sich mit bloßem Auge nicht sicher entscheiden – das klärt erst eine Laboranalyse einer kleinen Materialprobe. Dieser Ratgeber erklärt, was PAK sind, wo sie im Gebäude sitzen, warum sie gesundheitlich relevant sind und wie der Nachweis in der Praxis abläuft.

Was sind PAK und warum sind sie relevant?

PAK (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, englisch PAH) sind eine Stoffgruppe aus mehreren hundert Verbindungen, die alle mindestens zwei miteinander verbundene aromatische Ringe besitzen. Sie entstehen bei unvollständiger Verbrennung oder Pyrolyse organischen Materials. Weil die Gruppe so groß ist, hat sich in der Umweltanalytik eine praxistaugliche Auswahl durchgesetzt: die 16 von der US-amerikanischen Umweltbehörde EPA priorisierten Verbindungen, kurz die „16 EPA-PAK". Sie gelten als repräsentativer Querschnitt und werden bei einer Materialanalyse gemeinsam bestimmt.

Innerhalb dieser Gruppe hat eine Substanz eine Sonderrolle: Benzo[a]pyren (BaP) dient als Leitsubstanz und wird stellvertretend für das gesamte PAK-Gemisch bewertet. BaP ist in der EU als krebserzeugend und erbgutverändernd eingestuft. Bemerkenswert ist, dass der Stoff zusätzlich über die Haut aufgenommen wird (hautresorptiv). Eine reine Messung der Innenraumluft unterschätzt das Risiko deshalb systematisch – der Weg über Staub und Hautkontakt bei der Bearbeitung ist häufig bedeutsamer als die Luft im ungestörten Raum.

Wo PAK im Haus vorkommen

Die mit Abstand wichtigste Quelle im Gebäude ist Steinkohlenteer beziehungsweise -pech. Über Jahrzehnte war teerhaltiges Material ein günstiger, wasserbeständiger Baustoff. Typische PAK-belastete Bauteile sind:

  • Teer-/Parkettkleber unter alten Holzböden – oft schwarz, glänzend-spröde und mit einem charakteristischen teerartigen Geruch. Diese Kleberschicht ist der klassische Fund bei Altbausanierungen.
  • Teer- und Dachpappen sowie bituminöse Abdichtungen und Schwarzanstriche mit Teeranteil, etwa auf Kellerwänden oder unter Estrichen.
  • Teergebundene Korkdämmung, wie sie beispielsweise an Kellerdecken vorkommt.
  • Gussasphaltböden und Schlackeschüttungen in alten Zwischendecken.

Gemeinsam ist diesen Bauteilen, dass der Teer als Bindemittel oder Klebstoff diente. Solange die Schicht intakt und fest gebunden ist, bleiben die PAK weitgehend im Material gebunden. Kritisch wird es dort, wo Material bearbeitet, aufgestemmt oder ausgebaut wird und dabei Staub entsteht.

Baualter als Indikator: Teer oder Bitumen?

Ein grober, aber nützlicher Anhaltspunkt ist das Verlegejahr. Vor etwa 1970 verlegte Kleber und Abdichtungsbahnen sind mit hoher Wahrscheinlichkeit teerbasiert und damit stark PAK-belastet. Ab den 1970er-Jahren wurde Teer zunehmend durch das PAK-arme Bitumen ersetzt. Beide Materialien sind schwarz und zäh – optisch also leicht zu verwechseln –, unterscheiden sich in ihrer PAK-Belastung jedoch um Größenordnungen.

Die Zahlen verdeutlichen den Unterschied: Reines Bitumen enthält typischerweise nur rund 60 mg/kg PAK, Steinkohlenteer dagegen bis etwa 60.000 mg/kg. Das ist ein Faktor von rund 1.000. Genau darin liegt die Krux: Ein schwarzer Kleber kann das eine oder das andere sein. Das Baualter grenzt die Wahrscheinlichkeit ein, ersetzt die Prüfung aber nicht. Übergangszeiträume, Nachbesserungen und regional unterschiedliche Baugewohnheiten machen eine Datierung nach Augenschein unzuverlässig.

Optik ersetzt keine Analyse

Es lohnt sich, diesen Punkt eigens festzuhalten, weil er in der Praxis am häufigsten unterschätzt wird: Farbe, Geruch und Konsistenz liefern lediglich einen Verdacht. Ein schwarzer Kleber kann harmloses Bitumen sein – oder stark belasteter Teer. Sicher unterscheiden lässt sich das ausschließlich durch die Laboranalyse einer Materialprobe. Wer allein aufgrund der Optik saniert oder umgekehrt auf Schutzmaßnahmen verzichtet, trifft die Entscheidung auf unsicherer Grundlage.

Gesundheit: Warum Benzo[a]pyren im Mittelpunkt steht

Benzo[a]pyren wirkt krebserzeugend – betroffen sind vor allem Lunge und Haut – und ist erbgutschädigend. Als Leitsubstanz steht es deshalb im Zentrum jeder Bewertung. Für die Innenraumluft nennt das Umweltbundesamt seit 2021 einen vorläufigen Leitwert für Benzo[a]pyren von 0,80 ng/m³.

Wichtig für die Einordnung: Das Hauptrisiko entsteht in der Regel nicht durch die intakte, fest gebundene Schicht, die kaum ausgast. Gefährlich wird es üblicherweise bei der Bearbeitung – beim Schleifen, Aufstemmen oder Ausbau –, wenn Staub freigesetzt wird und Hautkontakt entsteht. Weil BaP hautresorptiv ist, spielt der direkte Kontakt eine größere Rolle, als man es von einem „Luftschadstoff" erwarten würde. Für den Umgang mit verdächtigem Material heißt das sinngemäß: erst analysieren, dann staubarm und geschützt arbeiten.

Bewertungsmaßstab: TRGS 551 und die Grenzwerte

Für die Bewertung teerhaltiger Materialien ist in Deutschland die Technische Regel für Gefahrstoffe TRGS 551 (in Verbindung mit der TRGS 905) maßgeblich. Sie knüpft an den Gehalt der Leitsubstanz Benzo[a]pyren an und lässt sich vereinfacht in drei Bereiche gliedern:

  • Unter 50 mg/kg BaP gilt ein Material im Sinne dieser Regel als unauffällig.
  • Ab 50 mg/kg BaP (das entspricht 0,005 Massen-%) gilt ein Material als teerhaltig beziehungsweise krebserzeugend. Dieser Wert löst die Schutz- und Entsorgungsanforderungen der TRGS 551 aus.
  • Oberhalb von rund 1.000 mg/kg BaP liegt eine hohe Belastung vor, für die verschärfte Schutzmaßnahmen vorgesehen sind.

Diese Schwellen sind der Grund, warum bei der Analyse die Angabe des Benzo[a]pyren-Gehalts so zentral ist: Erst sie ordnet ein Material einer dieser Kategorien zu und macht damit klar, welcher Aufwand bei Bearbeitung und Entsorgung üblicherweise angemessen ist.

Wie der Nachweis abläuft

Das Analyseverfahren

PAK in Bau- und Materialproben werden nach einer Lösemittelextraktion gaschromatografisch mit massenspektrometrischer Detektion bestimmt – kurz GC-MS. Maßgeblich ist für Bauteile die DIN ISO 18287 mit einer Bestimmungsgrenze von etwa 0,01 mg/kg je Einzel-PAK; für Abfälle und Bauschutt kommt die DIN EN 15527 (etwa 0,1 mg/kg) zum Einsatz. Erfasst werden jeweils die 16 EPA-PAK.

Eine häufige Verwechslung sei ausdrücklich ausgeräumt: PAK werden nicht per ICP-MS bestimmt. Die ICP-MS (DIN EN ISO 17294-2) ist das Verfahren für Metalle und Kationen und betrifft ein ganz anderes Analyseprodukt. Wer PAK sucht, braucht die GC-MS-Bestimmung.

Die Probenahme

Für den Nachweis genügt in der Regel eine kleine Materialprobe – ein Kleberrest, ein Stück Dachpappe oder etwas Anstrich. Üblich ist, die Probe möglichst staubarm zu entnehmen (also nicht trocken zu schleifen), sie in ein dicht schließendes Gefäß oder einen Beutel zu geben und die Entnahmestelle zu notieren. Bei vermuteter starker Belastung ist es sinnvoll, staubintensive, großflächige Bearbeitung zu vermeiden, um keine Fasern oder keinen Staub freizusetzen.

Der Weg über Schadstoffalarm.de

Bei Schadstoffalarm.de läuft der Nachweis in wenigen Schritten: online bestellen, die kleine Materialprobe sicher verpackt per Post einsenden, Auswertung im externen, teils DAkkS-akkreditierten Partnerlabor, verständliche Bewertung im Kundenportal. Wer für ein konkretes Bauteil Klarheit möchte, kann eine Probe im Rahmen der PAK-Analyse (89 €) untersuchen lassen.

Zur Ehrlichkeit gehört an dieser Stelle ein klares Wort: Der Betreiber GUNICO Crown UG (Büttelborn) ist selbst nicht akkreditiert. Die Analytik erfolgt in externen Partnerlaboren, und nicht jedes Verfahren ist DAkkS-akkreditiert – die Akkreditierung hängt vom jeweiligen Labor und Verfahren ab. Für PAK im Feststoff ist die GC-MS-Bestimmung nach DIN ISO 18287 ein etabliertes, anerkanntes Verfahren; ob es im Einzelfall unter Akkreditierung durchgeführt wird, richtet sich nach dem beauftragten Labor.

Abgrenzung: PAK ist nicht gleich Schadstoff

Rund um Bauschadstoffe kursieren viele Analysemethoden, die leicht durcheinandergeraten. Zur Orientierung – diese Verfahren betreffen andere Schadstoffe und sind ausdrücklich keine PAK-Methoden:

  • Metalle und Kationen werden per ICP-MS (DIN EN ISO 17294-2) bestimmt.
  • Chlorid im Eluat wird über eine Elution (DIN EN 12457) und anschließende Ionenchromatografie (DIN EN ISO 10304) gemessen; die Chlorid-Bestimmung im Feststoff nach Lange ist dabei nicht DAkkS-akkreditiert.
  • Asbest wird mikroskopisch nach VDI 3866 Blatt 5 nachgewiesen.

Gerade beim Thema Asbest ist Vorsicht geboten: Weil bei der Probenahme Fasern freigesetzt werden können, ist es in der Regel ratsam, die Entnahme von einer Fachfirma durchführen zu lassen, statt selbst an verdächtigem Material zu arbeiten. Für PAK gilt diese besondere Faserproblematik nicht, wohl aber der allgemeine Grundsatz, staubarm zu arbeiten.

Häufige Fragen

Woran erkenne ich PAK-haltigen Kleber unter meinem alten Parkett? Verdächtig ist ein schwarzer bis dunkelbrauner, glänzend-spröder, teerartig riechender Kleber unter vor etwa 1970 verlegten Holzböden. Sicher unterscheiden lässt sich harmloses Bitumen von stark belastetem Teer aber nur über eine Laboranalyse einer Materialprobe.

Ab welchem Wert gilt ein Material als teerhaltig bzw. gefährlich? Ab 50 mg/kg Benzo[a]pyren gilt ein Material nach TRGS 551 als teerhaltig und krebserzeugend und muss entsprechend geschützt bearbeitet und entsorgt werden. Oberhalb von rund 1.000 mg/kg spricht man von einer hohen Belastung mit verschärften Schutzmaßnahmen.

Ist eine PAK-Belastung akut gefährlich, solange nichts saniert wird? Fest gebundene PAK in intakten Schichten gasen kaum aus. Das Hauptrisiko entsteht bei der Bearbeitung – Schleifen, Aufstemmen, Ausbau – durch freigesetzten Staub und Hautkontakt. Deshalb gilt: erst analysieren, dann staubarm und geschützt arbeiten.

Welche Probe muss ich einsenden und wie? Ein kleines Stück des verdächtigen Materials genügt (Kleberrest, Stück Dachpappe oder Anstrich). Staubarm entnehmen, in ein dicht schließendes Gefäß oder einen Beutel geben, Entnahmestelle notieren und per Post einsenden. Die Auswertung erfolgt im Partnerlabor, die Bewertung sehen Sie im Kundenportal.

Ist das Ergebnis DAkkS-akkreditiert? Die Auswertung erfolgt in externen, teils DAkkS-akkreditierten Partnerlaboren. Schadstoffalarm.de selbst ist nicht akkreditiert, und nicht jedes Verfahren ist akkreditiert. Für PAK im Feststoff ist die GC-MS-Bestimmung nach DIN ISO 18287 etabliert; ob im Einzelfall akkreditiert, hängt vom Labor und Verfahren ab.

Fazit

PAK im Haus sind kein Grund zur Panik, aber ein Grund für einen nüchternen Blick. Der typische Fund – Teerkleber, Teerpappe, Bitumen mit Teeranteil, alte Bodenbeläge – ist optisch nicht eindeutig einzuordnen, und die Bandbreite zwischen harmlosem Bitumen und stark belastetem Teer ist enorm. Weil die Leitsubstanz Benzo[a]pyren krebserzeugend und hautresorptiv ist und das Risiko vor allem bei der Bearbeitung entsteht, ist die sinnvolle Reihenfolge fast immer dieselbe: zunächst durch eine Materialanalyse Klarheit schaffen, dann auf Basis des BaP-Gehalts nach TRGS 551 entscheiden, wie mit dem Material umzugehen ist.

Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und dem besseren Verständnis des Themas. Er stellt keine individuelle rechtliche, gesundheitliche oder fachtechnische Beratung dar und ersetzt nicht die Beurteilung durch eine qualifizierte Fachperson oder ein akkreditiertes Prüflabor. Verbindliche Aussagen zu Ihrem konkreten Fall sind nur auf Basis einer fachgerechten Probenahme und Laboranalyse möglich.