Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und dem besseren Verständnis des Themas. Er stellt keine individuelle rechtliche, gesundheitliche oder fachtechnische Beratung dar und ersetzt nicht die Beurteilung durch eine qualifizierte Fachperson oder ein akkreditiertes Prüflabor. Verbindliche Aussagen zu Ihrem konkreten Fall sind nur auf Basis einer fachgerechten Probenahme und Laboranalyse möglich.
PAK in Dach- und Teerpappe: Risiko, Erkennung und Analyse
Ob eine Dachpappe PAK enthält und damit gesundheitlich kritisch ist, hängt fast ausschließlich davon ab, ob sie teerhaltig oder bituminös ist. Die kurze Antwort vorweg: Alte teerhaltige Dachpappe (oft „Teerpappe" oder „Teerdachpappe" genannt) enthält in der Regel sehr hohe Gehalte an PAK, von denen viele als krebserzeugend gelten. Moderne Bitumen-Dachbahnen auf Erdölbasis enthalten dagegen nur Spuren von PAK und gelten üblicherweise als unkritisch. Weil umgangssprachlich beides „Dachpappe" heißt, werden Teer und Bitumen häufig verwechselt. Sicherheit über den tatsächlichen PAK-Gehalt gibt am Ende nur eine Laboranalyse einer Materialprobe. Dieser Ratgeber erklärt den Unterschied, welche Merkmale und welches Baujahr auf Teer hindeuten, welche Grenzwerte gelten und was bei Sanierung und Entsorgung zu beachten ist.
Was sind PAK – und warum sind sie kritisch?
PAK (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, englisch PAH) sind eine große Stoffgruppe, deren Moleküle aus mehreren verbundenen Benzolringen bestehen. Viele Vertreter dieser Gruppe sind nachweislich krebserzeugend. In der Praxis wird meist nicht jeder einzelne Stoff, sondern die Summe der 16 EPA-PAK bestimmt – eine Auswahl, die die US-Umweltbehörde EPA in den 1980er-Jahren vorgeschlagen hat. Als Leitsubstanz zur Bewertung der Giftigkeit eines PAK-Gemischs dient Benzo[a]pyren (BaP); anhand seines Gehalts lässt sich die Toxizität eines Materials einordnen (Quelle: Umweltbundesamt). Benzo[a]pyren selbst ist nach der europäischen CLP-Einstufung als krebserzeugend, keimzellmutagen und reproduktionstoxisch (jeweils Kategorie 1B) eingestuft – also ein sogenannter CMR-Stoff.
Teer oder Bitumen: der entscheidende Unterschied
Der wichtigste Punkt zum Verständnis: Teer und Bitumen sind nicht dasselbe, auch wenn beide schwarz, zäh und wasserabweisend sind.
- Teer (Steinkohlenteer bzw. Pech) ist ein Pyrolyseprodukt aus Kohle. Er entsteht bei der Verkokung von Steinkohle und enthält sehr hohe PAK-Gehalte.
- Bitumen ist dagegen ein Rückstand der Erdöldestillation und enthält nur Spuren von PAK.
Aus diesem Unterschied folgt alles Weitere: Alte teerhaltige Dachpappe ist schadstoffkritisch, moderne bituminöse Dachbahnen gelten in der Regel als unkritisch. Weil im Alltag beides „Dachpappe" genannt wird, ist die Verwechslungsgefahr groß – und genau deshalb lässt sich allein aus dem Namen oder dem äußeren Eindruck keine verlässliche Aussage ableiten.
Das Baujahr als wichtigster Hinweis
Der aussagekräftigste Verdachtshinweis ist das Alter der Dachbahn. Nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Umwelt wurde die Herstellung von Dachdichtungsbahnen unter Verwendung von (Steinkohlen-)Teerölen bereits 1962 eingestellt. Dachbahnen von Gebäuden, die bis Mitte der 1960er-Jahre errichtet wurden, können daher noch Teer enthalten. Seit den 1970er-Jahren wird ausschließlich Bitumen bzw. Polymerbitumen verwendet – seitdem sind Dachbahnen in der Regel teerfrei.
Als grobe Orientierung gilt deshalb: Je älter der Dachaufbau, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass Teer verbaut wurde. Bei Gebäuden bis etwa Anfang der 1970er-Jahre ist ein Teerverdacht plausibel; jüngere Aufbauten sind üblicherweise bituminös. Zur Einordnung: Teer und Pech sind in Deutschland seit 1984 (in den neuen Bundesländern seit 1990) auch im Straßen- und Wegebau verboten – ein Beleg dafür, wie konsequent diese Materialien aus dem Baugeschehen verschwunden sind.
Woran man teerhaltige Dachpappe (nicht sicher) erkennt
Neben dem Baujahr gibt es sensorische Merkmale, die auf Teer hindeuten können:
- eine dunkel glänzende Oberfläche,
- eine „speckige" Haptik,
- ein intensiver, stechend-teeriger Geruch (nach Naphthalin), der sich besonders bei Erwärmung bemerkbar macht.
Wichtig und ehrlich gesagt: Diese Merkmale sind unzuverlässig. Das Bayerische Landesamt für Umwelt stellt ausdrücklich klar, dass die Zuordnung eher über das Baujahr als über den bloßen Augenschein erfolgt. Frisch verlegtes Bitumen kann ebenfalls glänzen und riechen, und gealterte Oberflächen lassen sich optisch kaum unterscheiden. Sicherheit über den PAK-Gehalt gibt daher nur eine Laboranalyse – und genau hier liegt der eigentliche Nutzen einer Materialprobe-Untersuchung.
Grenzwerte und Einstufung: TRGS 551 und die 50/1.000 mg/kg
Für die Bewertung teerhaltiger Materialien sind vor allem zwei Kennzahlen relevant, die sich beide auf die Leitsubstanz Benzo[a]pyren stützen.
Die TRGS 551 („Teer und andere Pyrolyseprodukte aus organischem Material") ist eine Technische Regel für Gefahrstoffe aus dem Arbeitsschutz und wird von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) bekanntgegeben. Sie gilt für Tätigkeiten mit Pyrolyseprodukten, die einen Benzo[a]pyren-Gehalt von ≥ 50 mg/kg aufweisen. Nach der ergänzenden TRGS 905 gelten PAK-haltige Gefahrstoffe ab einem BaP-Massengehalt von 0,005 % (= 50 mg/kg) als krebserzeugend.
Als grobe Orientierung für die Einstufung eines Materials wird häufig folgendes Raster verwendet (bezogen auf Benzo[a]pyren):
- unter 50 mg/kg – in der Regel unbedenklich,
- 50 bis 1.000 mg/kg – auffällig (teerhaltig),
- über 1.000 mg/kg – erheblich belastet.
Für die abfallrechtliche Einstufung nennt das Bayerische Landesamt für Umwelt – im Einklang mit der TRGS 551 – konkrete Schwellen: Als gefährlicher Abfall gilt Material bei einem PAK-Gehalt von ≥ 1.000 mg/kg oder einem Benzo[a]pyren-Gehalt von ≥ 50 mg/kg. Ob diese Werte im Einzelfall überschritten werden, lässt sich nicht abschätzen, sondern nur messen. Die analytische Bestimmung der PAK erfolgt üblicherweise gaschromatografisch, etwa in Anlehnung an DIN ISO 18287 (PAK in Feststoffen/Boden mittels GC-MS).
Entsorgung: Abfallschlüssel 17 03 03* und Nachweispflicht
Die Einstufung entscheidet direkt über den Entsorgungsweg. Maßgeblich ist die Abfallverzeichnis-Verordnung (AVV), Kapitel 17 03:
- 17 03 03* – Kohlenteer und teerhaltige Produkte: teerhaltige Dachbahnen sind damit gefährlicher Abfall (das Sternchen kennzeichnet die Gefährlichkeit) und nachweispflichtig.
- 17 03 02 – bitumenhaltige Gemische ohne Teer: reine Bitumen-Dachbahnen sind nicht gefährlich.
- 17 06 05* – asbesthaltige Baustoffe: asbesthaltige Pappen auf Bitumenbasis fallen hierunter (dazu weiter unten mehr).
Ergänzend hierzu betrifft der Schlüssel 17 03 01* („kohlenteerhaltige Bitumengemische") primär teerhaltigen Straßenaufbruch bzw. Asphalt und nicht die klassische Dachbahn.
Praktisch bedeutet das: Teerhaltige Dachpappe darf nicht mit anderem Bauschutt oder Bitumenabfall vermischt werden, ist getrennt zu sammeln und an einer zugelassenen Annahmestelle abzugeben. Wird ein an sich harmloser Bitumenabfall vorsorglich als teerhaltig behandelt, entstehen unnötige Sonderentsorgungskosten; wird umgekehrt Teer übersehen, drohen unsachgemäße Entsorgung und Arbeitsschutzverstöße. Beides lässt sich durch eine vorherige Analyse vermeiden.
Arbeitsschutz bei Sanierung und Rückbau
Die Gefahr durch PAK entsteht vor allem dann, wenn alte Teerpappe abgebrochen, geschnitten, gerissen oder erwärmt wird – dabei können Stäube und Dämpfe freigesetzt werden. Bei der Sanierung oder dem Rückbau von Dächern, Dachterrassen oder verdeckten Zwischenschichten mit Teerverdacht kann es deshalb sinnvoll sein, vor Arbeitsbeginn eine PAK-Analyse durchführen zu lassen. Das Ergebnis bildet die Grundlage, um die Anforderungen des Arbeitsschutzes (TRGS 551) und den korrekten Entsorgungsweg (AVV) festzulegen. Fällt die Untersuchung positiv aus, gelten je nach Höhe der Belastung besondere Schutzmaßnahmen; fällt sie negativ aus, lässt sich eine pauschale und teure Sonderentsorgung häufig vermeiden.
Was eine PAK-Analyse der Materialprobe leistet
Der Kern ist einfach: Weder Baujahr noch Geruch liefern eine belastbare Zahl – erst die Laboruntersuchung einer Materialprobe zeigt, ob und wie stark eine Dachbahn mit PAK belastet ist. Für genau diesen Anwendungsfall passt die PAK-Analyse: Sie entnehmen eine kleine Materialprobe der Dachbahn, senden sie per Post ein, die Auswertung erfolgt in einem Partnerlabor (teils DAkkS-akkreditiert), und Sie erhalten eine verständliche Bewertung im Kundenportal.
Zur Ehrlichkeit gehört: Der Betreiber (GUNICO Crown UG) ist selbst nicht akkreditiert, und nicht jedes Verfahren ist DAkkS-akkreditiert. Die Aussagekraft des Ergebnisses hängt außerdem von einer fachgerechten Probenahme ab. Wo sich beim Öffnen des Dachaufbaus zusätzlich der Verdacht auf Asbest ergibt, sollte die Probenahme wegen der Faserfreisetzungsgefahr besser einer Fachfirma überlassen werden (siehe nächster Abschnitt).
Abgrenzung: Asbest und andere Parameter
Alte Dachaufbauten können neben Teer weitere Schadstoffe enthalten. Vor allem asbesthaltige Bitumenpappen (AVV 17 06 05*) kommen vor. Anders als bei PAK gilt hier: Schon das Anbohren, Brechen oder Abreißen kann Fasern freisetzen, die eingeatmet werden können. Deshalb sollte die Probenahme bei Asbestverdacht üblicherweise durch eine Fachfirma erfolgen und nicht in Eigenregie. Analytisch wird Asbest in Materialproben meist rasterelektronenmikroskopisch untersucht, etwa nach VDI 3866 Blatt 5. Für diesen Fall bietet Schadstoffalarm.de eine gesonderte Asbest-Analyse an.
Ehrlich abzugrenzen ist außerdem, was wir aktuell nicht anbieten: PCB, KMF/Mineralfasern, Schwermetalle und Radon gehören derzeit nicht zu unserem Angebot. Werden solche Parameter im konkreten Fall benötigt, ist dafür ein spezialisiertes Prüflabor die richtige Anlaufstelle.
Häufige Fragen
Enthält Dachpappe PAK und ist sie gefährlich? Es kommt auf das Alter an. Alte teerhaltige Dachpappe (Teerpappe) enthält fast immer hohe Gehalte an PAK, die als krebserzeugend gelten. Moderne bituminöse Dachbahnen auf Erdölbasis enthalten dagegen nur Spuren von PAK und gelten in der Regel als unkritisch. Sicherheit über den PAK-Gehalt gibt nur eine Laboranalyse einer Materialprobe.
Wie erkenne ich, ob meine Dachpappe teerhaltig ist? Der wichtigste Hinweis ist das Baujahr: Teerhaltige Dachbahnen wurden bis etwa Anfang der 1970er-Jahre verbaut (Teerproduktion 1962 eingestellt). Ein dunkel glänzendes, speckiges Aussehen und ein stechend-teeriger Geruch (nach Naphthalin, vor allem bei Wärme) können Indizien sein – sind aber unzuverlässig. Eindeutig ist nur eine PAK-Analyse im Labor.
Was ist der Unterschied zwischen Teer und Bitumen? Teer (Steinkohlenteer/Pech) entsteht bei der Verkokung von Kohle und ist stark PAK-belastet. Bitumen ist ein Rückstand der Erdöldestillation und enthält nur Spuren von PAK. Beides wird umgangssprachlich „Dachpappe" genannt, unterscheidet sich aber gesundheitlich und bei der Entsorgung deutlich.
Muss teerhaltige Dachpappe sonderentsorgt werden? Ja. Teerhaltige Dachbahnen sind als gefährlicher Abfall unter dem Abfallschlüssel 17 03 03* eingestuft, sind nachweispflichtig und müssen an einer zugelassenen Annahmestelle abgegeben werden. Sie dürfen nicht mit anderem Bauschutt oder Bitumenabfall vermischt werden. Reine Bitumen-Dachbahnen laufen unter 17 03 02 (nicht gefährlich).
Ab welchem Wert gilt Dachpappe als gefährlicher Abfall? Als gefährlicher Abfall gilt Material ab einem PAK-Gehalt von 1.000 mg/kg oder einem Benzo[a]pyren-Gehalt von 50 mg/kg (Leitwerte aus TRGS 551 bzw. der Abfalleinstufung). Erst eine Laboranalyse zeigt, ob diese Werte überschritten werden – das entscheidet über Arbeitsschutz und Entsorgungsweg.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und dem besseren Verständnis des Themas. Er stellt keine individuelle rechtliche, gesundheitliche oder fachtechnische Beratung dar und ersetzt nicht die Beurteilung durch eine qualifizierte Fachperson oder ein akkreditiertes Prüflabor. Verbindliche Aussagen zu Ihrem konkreten Fall sind nur auf Basis einer fachgerechten Probenahme und Laboranalyse möglich.