Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschliesslich der allgemeinen Information und dem besseren Verstaendnis des Themas. Er stellt keine individuelle rechtliche, gesundheitliche oder fachtechnische Beratung dar und ersetzt nicht die Beurteilung durch eine qualifizierte Fachperson oder ein akkreditiertes Prueflabor. Verbindliche Aussagen zu Ihrem konkreten Fall sind nur auf Basis einer fachgerechten Probenahme und Laboranalyse moeglich.
Schwarzer Kleber: Bitumen oder Teer? Der Unterschied und warum er zählt
Schwarzer Kleber unter altem Parkett oder Bodenbelägen wirft fast immer dieselbe Frage auf: Ist das harmloses Bitumen oder stark belasteter Steinkohlenteer? Die kurze Antwort vorweg: Beide Materialien sind schwarz bis dunkelbraun und mit blossem Auge kaum zu unterscheiden – chemisch trennen sie jedoch Welten. Bitumen ist erdölbasiert und PAK-arm, Steinkohlenteer entsteht aus Kohle und ist stark PAK-haltig. Ob „Bitumen oder Teer" vorliegt, lässt sich deshalb sicher nur über eine Laboranalyse einer Materialprobe klären. Farbe, Glanz und Geruch liefern höchstens einen Verdacht. Dieser Ratgeber erklärt den Unterschied, welche Hinweise es dennoch gibt und warum am Ende nur die Messung Klarheit schafft.
Warum „schwarz" nichts über die Gefahr aussagt
Der sogenannte Schwarzkleber aus Altbauten kann zwei chemisch grundverschiedene Materialien sein. Das eine ist Bitumen, ein Destillationsrückstand aus Erdöl. Es entsteht herstellungsbedingt mit nur geringen Anteilen an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK, englisch PAH) – in der Summe typischerweise um die 60 mg/kg. Das andere ist Steinkohlenteer beziehungsweise Teerpech, das bei der Verkokung und Pyrolyse von Steinkohle anfällt und stark PAK-haltig ist: Die PAK-Summe kann hier bis rund 60.000 mg/kg erreichen. Reiner Steinkohlenteer weist damit grob das Tausendfache an PAK auf wie Bitumen.
Noch deutlicher wird der Unterschied am Leitparameter Benzo[a]pyren (BaP), der stellvertretend für das gesamte PAK-Gemisch bewertet wird. In sorgfältig hergestelltem Bitumen liegt der BaP-Gehalt bei nur etwa 2 mg/kg. In verarbeiteten, teerhaltigen Parkettklebern reicht er dagegen typischerweise von rund 800 mg/kg im Median bis etwa 8.000 mg/kg im 95. Perzentil – also um Grössenordnungen höher. Genau deshalb gilt die zentrale Aussage dieses Ratgebers: „Schwarz" allein sagt nichts über die Gefahr. Erst der gemessene PAK- beziehungsweise BaP-Gehalt entscheidet, ob harmloses Bitumen oder belasteter Teerkleber vorliegt. PAK gelten als teils krebserzeugend, erbgutverändernd und fortpflanzungsgefährdend – die Unterscheidung ist deshalb keine akademische Feinheit.
Optische Merkmale und ihre Grenzen
Naheliegend wäre, den Kleber am Aussehen einordnen zu wollen. In der Praxis funktioniert das jedoch nicht zuverlässig. Sowohl Bitumen als auch Teerpech präsentieren sich als tiefschwarze bis dunkelbraune Schicht, häufig mit glänzender Oberfläche, im Alter teils spröde und krümelig. Farbe, Glanz und Sprödigkeit können bei beiden Materialtypen ähnlich ausfallen. Ein optischer Eindruck liefert damit bestenfalls einen ersten Anhaltspunkt, aber keine belastbare Aussage darüber, ob das Material PAK-arm oder PAK-reich ist. Wer allein nach dem Augenschein urteilt, kann einen harmlosen Bitumenkleber fälschlich für gefährlich halten – oder umgekehrt.
Der Geruch als Verdachtsmoment
Etwas aussagekräftiger, aber ebenfalls kein Nachweis, ist der Geruch. Teerhaltige Materialien riechen oft charakteristisch teerig-phenolisch beziehungsweise nach Naphthalin, also nach „Mottenkugeln". Naphthalin gehört zu den PAK und hat eine sehr niedrige Geruchsschwelle von etwa 2 µg/m³, weshalb es schon in geringer Konzentration wahrnehmbar ist. Ein solcher Geruch begründet einen deutlichen Verdacht auf Teer.
Verlässlich ist er trotzdem nicht: Auch Bitumen kann riechen, und teerarme Kleber sind mitunter geruchsschwach. Der Geruchseindruck sagt zudem nichts über die genaue Höhe der PAK-Belastung aus. Ein auffälliger Geruch ist also ein Grund, genauer hinzuschauen – er ersetzt aber keine Messung des Benzo[a]pyren-Gehalts.
Das Baualter als grober Anhaltspunkt
Ein weiterer Hinweis ergibt sich aus dem Zeitraum der Verlegung, allerdings nur als grobe Orientierung. Teerpechhaltige Parkettkleber wurden vor allem bis in die 1960er-Jahre eingesetzt. Bitumenbasierte, PAK-arme Schwarzkleber kamen ab Ende der 1960er- und in den 1970er-Jahren auf. Ein sehr altes Gebäude erhöht damit tendenziell die Wahrscheinlichkeit für Teer, ein jüngerer Bodenaufbau eher für Bitumen.
Ein Beweis ist das Baualter jedoch ausdrücklich nicht. Beide Klebertypen wurden zeitweise parallel verwendet, und in vielen Gebäuden lässt sich nicht mehr rekonstruieren, welches Produkt seinerzeit verarbeitet wurde. Das Baujahr taugt deshalb allenfalls zur ersten Einordnung des Verdachts, nicht zur Entscheidung.
Warum nur die Analyse sicher unterscheidet
Alle bisherigen Hinweise – Farbe, Glanz, Sprödigkeit, Geruch, Baualter – bleiben Verdachtsmomente. Sicher trennen lässt sich Bitumen von Teer nur durch eine Laboranalyse einer Materialprobe. Üblich ist die Bestimmung der 16 nach US-EPA definierten PAK (16 EPA-PAK) mit Benzo[a]pyren als Leitwert. Der eigentliche Nachweis erfolgt an einer wenige Gramm grossen Probe, die getrocknet, homogenisiert und mit einem Lösemittel extrahiert wird; der Extrakt wird anschliessend per Gaschromatographie mit massenselektiver Detektion (GC-MS) quantifiziert. Dieses gaschromatographische Verfahren mit Massenspektrometrie ist auch die Grundlage genormter PAK-Bestimmungen in Feststoffen, wie sie etwa DIN ISO 18287 für die PAK-Analyse in Bodenmaterial beschreibt.
Das Ergebnis zeigt, welche Einzelverbindungen in welcher Konzentration vorliegen und – über den Benzo[a]pyren-Gehalt sowie die Summe der 16 EPA-PAK – ob ein harmloser Bitumenkleber oder ein stark belasteter Teerkleber vorliegt. Erst diese Zahlen erlauben eine belastbare Einordnung.
Wie PAK aus dem Kleber in den Hausstaub gelangen
Für die Einordnung des Alltagsrisikos ist wichtig, dass die PAK im Kleber zunächst fest gebunden vorliegen. Solange die Schicht intakt und überdeckt ist, ist die Freisetzung in der Regel gering. Durch mechanische Beanspruchung, Abrieb und über offene Parkettfugen können PAK jedoch nach und nach in den Hausstaub gelangen. Deutlich relevanter wird die Freisetzung bei der Bearbeitung – etwa beim Schleifen, Bohren oder Aufstemmen –, weil dabei Stäube und Dämpfe entstehen.
Ein intakter, dichter Bodenaufbau reduziert die Exposition also tendenziell. Entscheidend bleibt jedoch die Ausgangsfrage, ob und wie stark der Kleber überhaupt belastet ist – denn ein nachweislich PAK-armer Bitumenkleber stellt eine andere Situation dar als ein hochbelasteter Teerkleber. Auch das spricht dafür, den Gehalt üblicherweise zu klären, bevor eine Renovierung ansteht.
Grenzwerte einordnen: TRGS 551, TRGS 905 und Innenraumluft
Für die fachliche Bewertung teer- und PAK-haltiger Materialien ist die TRGS 551 („Teer und andere Pyrolyseprodukte aus organischem Material", herausgegeben von der BAuA) einschlägig. Sie greift für Tätigkeiten mit Materialien ab einem Benzo[a]pyren-Gehalt von 50 mg/kg. Ergänzend gilt nach TRGS 905, dass PAK-haltige Gemische ab einem BaP-Gehalt von 50 mg/kg (0,005 %) als krebserzeugend eingestuft werden. Als grobe, auf Benzo[a]pyren bezogene Orientierung lässt sich ein Befund damit einordnen:
- unter 50 mg/kg BaP: in der Regel unauffällig und nicht teer-/PAK-relevant im Sinne der TRGS 551.
- rund 50 bis 1.000 mg/kg: auffällig; das Material gilt als teer-/PAK-relevant.
- über 1.000 mg/kg: erheblich belastet, mit entsprechenden Anforderungen an Rückbau und Entsorgung.
Wichtig ist die richtige Lesart: Diese Schwellen sind vor allem für Rückbau, Sanierung und Entsorgung relevant und kein Grenzwert für die Innenraumluft. Teerkleber liegen meist weit über 50 mg/kg BaP, Bitumenkleber deutlich darunter. Für die Innenraumluft ist stattdessen Naphthalin ein wichtiger PAK-Leitparameter: Der Ausschuss für Innenraumrichtwerte (AIR) am Umweltbundesamt nennt für Naphthalin und naphthalinähnliche Verbindungen einen Richtwert RW I von 10 µg/m³ (Vorsorgewert) und einen RW II von 30 µg/m³ (Handlungswert). Materialschwelle und Luftrichtwert beantworten also unterschiedliche Fragen und sollten nicht vermischt werden.
Sonderfall: Asbest und andere Stoffe im schwarzen Kleber
Ein Punkt wird bei schwarzen Alt-Klebern häufig übersehen: Manche enthalten neben PAK auch Asbest. Der Nachweis von Asbest erfolgt über ein eigenes, mikroskopisches Verfahren – etwa die Rasterelektronenmikroskopie nach VDI 3866 Blatt 5 – und ist eine von der PAK-Bestimmung getrennte Untersuchung. Bei Asbestverdacht ist besondere Vorsicht angebracht, weil bei jeder Bearbeitung Fasern freigesetzt werden können; verdächtiges Material sollte üblicherweise nicht trocken geschliffen, gebohrt oder gebrochen werden. In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, die Probenahme einem qualifizierten Fachbetrieb zu überlassen, statt selbst Hand anzulegen.
Zur Einordnung des Portfolios in eigener Sache: Für Materialproben lassen sich bei Schadstoffalarm.de derzeit PAK, Asbest, Kationen (ICP-MS) sowie Chlorid (Eluat und Feststoff) untersuchen. Andere Parameter, die bei Altbaumaterialien gelegentlich eine Rolle spielen – etwa PCB, künstliche Mineralfasern (KMF), Schwermetalle oder Radon –, sind aktuell nicht in unserem Angebot und wären gegebenenfalls über andere Anbieter abzuklären.
Wie eine PAK-Materialanalyse per Post einzuordnen ist
Wer den Verdacht „Bitumen oder Teer" klären möchte, kann eine Materialprobe des Klebers im Labor untersuchen lassen. Beim Postversand-Modell entnimmt man selbst eine kleine Probe, verpackt sie luftdicht und schickt sie ein; die Auswertung erfolgt anschliessend in einem Fachlabor, und die Bewertung wird verständlich im Kundenportal dargestellt. Für genau diese Fragestellung bietet Schadstoffalarm.de eine PAK-Analyse per Materialprobe für 89 Euro an, bei der die Probe per GC-MS auf die 16 EPA-PAK untersucht und der Befund anhand der TRGS 551 eingeordnet wird.
Ehrlich eingeordnet: Der Betreiber (GUNICO Crown UG, Büttelborn) ist selbst nicht akkreditiert. Die Auswertung findet in externen, teils DAkkS-akkreditierten Partnerlaboren statt, und nicht jedes im Portfolio angebotene Verfahren ist DAkkS-akkreditiert. Für die konkrete Frage nach Bitumen oder Teer ist die PAK-Analyse das fachlich passende Verfahren; andere Portfolio-Verfahren wie die ICP-MS-Metallanalyse oder Chloridbestimmungen betreffen andere Fragestellungen. Bei zusätzlichem Asbestverdacht im schwarzen Kleber ist eine gesonderte Asbest-Materialanalyse der passendere Weg.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich, ob mein schwarzer Parkettkleber Bitumen oder Teer ist? Sicher nur über eine Laboranalyse einer Materialprobe (PAK/Benzo[a]pyren). Farbe (schwarz bis dunkelbraun), Glanz und Geruch geben höchstens einen Verdacht – Bitumen (PAK-arm) und Teerpech (PAK-reich) sehen sich zum Verwechseln ähnlich.
Ist schwarzer Kleber automatisch gefährlich oder krebserregend? Nein. Nur teer- beziehungsweise pechhaltiger Kleber ist stark PAK-belastet (bis rund 60.000 mg/kg). Bitumenkleber ist mit etwa 60 mg/kg PAK vergleichsweise harmlos. Ohne Messung lässt sich beides nicht auseinanderhalten – deshalb schafft erst eine Analyse Klarheit.
Kann ich Teer am Geruch erkennen? Ein typischer teeriger beziehungsweise nach Naphthalin/Mottenkugeln riechender Geruch ist ein deutlicher Verdachtshinweis auf Teer, aber kein Beweis. Auch Bitumen kann riechen, und der Geruch sagt nichts über die genaue Höhe der PAK-Belastung. Verlässlich ist nur die Laborbestimmung des BaP-Gehalts.
Wie läuft eine PAK-Analyse des Klebers ab? Sie entnehmen eine kleine Materialprobe des Klebers und senden sie per Post ein; das Partnerlabor bestimmt die 16 EPA-PAK mit Benzo[a]pyren als Leitwert. Bei Schadstoffalarm.de sehen Sie die verständliche Bewertung anschliessend im Kundenportal. Die PAK-Analyse kostet 89 Euro.
Ab welchem Wert gilt der Kleber als belastet? Als arbeitsschutzrechtliche Orientierung gilt: Ab einem Benzo[a]pyren-Gehalt von 50 mg/kg wird ein PAK-Gemisch nach TRGS 905/551 als krebserzeugend eingestuft – das ist vor allem für Rückbau und Entsorgung wichtig. Teerkleber liegen meist weit darüber, Bitumenkleber deutlich darunter. Es handelt sich um eine Materialschwelle, nicht um einen Innenraumluft-Grenzwert.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschliesslich der allgemeinen Information und dem besseren Verstaendnis des Themas. Er stellt keine individuelle rechtliche, gesundheitliche oder fachtechnische Beratung dar und ersetzt nicht die Beurteilung durch eine qualifizierte Fachperson oder ein akkreditiertes Prueflabor. Verbindliche Aussagen zu Ihrem konkreten Fall sind nur auf Basis einer fachgerechten Probenahme und Laboranalyse moeglich.