Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und dem besseren Verständnis des Themas. Er stellt keine individuelle rechtliche, gesundheitliche oder fachtechnische Beratung dar und ersetzt nicht die Beurteilung durch eine qualifizierte Fachperson oder ein akkreditiertes Prüflabor. Verbindliche Aussagen zu Ihrem konkreten Fall sind nur auf Basis einer fachgerechten Probenahme und Laboranalyse möglich.
Schwarze Wanne, Bitumendickbeschichtung und PAK: Wann es kritisch wird
Die kurze Antwort vorweg: Eine schwarze Wanne ist in der Regel kein PAK-Problem. Moderne Abdichtungen erdberührter Bauteile bestehen aus Erdöl-Bitumen und sind PAK-arm. Kritisch wird es dagegen bei alten, teerhaltigen Abdichtungen, Voranstrichen und Teerpappen, wie sie vor allem in Bestandsgebäuden bis etwa Anfang der 1980er Jahre stecken können. Das Tückische daran: Bitumen und Teer sehen praktisch identisch aus. Sicher unterscheiden lassen sie sich nur über eine Laboranalyse des PAK-Gehalts. Dieser Ratgeber erklärt, worin der Unterschied liegt, welche Normen gelten und wann eine Analyse üblicherweise sinnvoll ist.
Warum die Herkunft über die PAK-Frage entscheidet
Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK, englisch PAH) sind eine Stoffgruppe, die vor allem bei der unvollständigen Verbrennung und bei der Pyrolyse organischer Stoffe entsteht. Ob ein schwarzes Abdichtungsmaterial viel oder wenig davon enthält, hängt entscheidend von seiner Herkunft ab.
Bitumen ist ein Rückstand der Erdöl-Destillation. Es ist von Natur aus PAK-arm und in Abdichtungsprodukten unter normalen Bedingungen unkritisch. Teer und Pech dagegen entstehen aus der Verkokung beziehungsweise Pyrolyse von Stein- oder Braunkohle und sind PAK-reich. Der Unterschied ist keine Nuance: Der PAK-Gehalt in Teer liegt nach Angaben von Herstellern und Fachverbänden (unter anderem TotalEnergies, AGOEF) um bis zu Faktor rund 1.000 höher als in Bitumen.
Genau deshalb ist die Begriffsklärung so wichtig. Im Alltag werden "Teer" und "Bitumen" oft synonym benutzt, etwa wenn von einer "geteerten" Straße oder einem "Teeranstrich" im Keller die Rede ist. Bautechnisch sind es zwei grundverschiedene Materialien mit sehr unterschiedlichem Schadstoffprofil.
Bitumen oder Teer? Am Aussehen nicht erkennbar
Der häufigste Irrtum lautet, man könne teerhaltiges Material am Geruch, an der Farbe oder am Glanz erkennen. Beide Materialien sind schwarz, glänzend und in der Masse kaum voneinander zu unterscheiden. Eine zuverlässige Klärung ist am eingebauten Material optisch nicht möglich, sondern nur über eine Laboranalyse des PAK-Gehalts (Quellen: ifMU, AGOEF).
Ein grober zeitlicher Anhaltspunkt hilft bei der ersten Einordnung, ersetzt aber keine Analyse:
- Steinkohlenteerpech wurde seit 1979 nicht mehr für Abdichtungswerkstoffe eingesetzt.
- Geteerte Dachpappe verschwand bereits Anfang der 1970er Jahre vom Markt.
- In Bestandsgebäuden bis etwa in die 1980er Jahre kann teerhaltiges Material aber durchaus noch verbaut sein.
Wer also eine schwarze Abdichtung an einem älteren Gebäude vor sich hat, deren Herkunft und Alter unklar sind, sollte teerhaltiges Material zumindest nicht ausschließen.
Was eine schwarze Wanne eigentlich ist
Der Begriff schwarze Wanne bezeichnet eine außenliegende, flächige Abdichtung erdberührter Bauteile, also von Keller und Fundament, gegen Wasser. Der Name kommt schlicht von der schwarzen Farbe des Bitumens. Abzugrenzen ist die weiße Wanne aus wasserundurchlässigem Beton (WU-Beton), die ohne Beschichtung auskommt und deshalb gar keine PAK-Frage aufwirft.
Moderne schwarze Wannen bestehen typischerweise aus:
- Bitumen-Schweißbahnen (flächig aufgebrachte, mit der Flamme verschweißte Bahnen) oder
- kunststoffmodifizierter Bitumendickbeschichtung (KMB), einer streich- oder spachtelbaren Masse.
Seit der europäischen Materialnorm DIN EN 15814 (Ausgabe 2015) heißt KMB fachlich korrekt PMBC (polymermodifizierte Bitumendickbeschichtung). Beide Bezeichnungen meinen dasselbe Erdöl-Bitumen-Produkt. Diese Materialien sind PAK-arm und in der Regel unkritisch.
Maßgebliche Ausführungsnorm für die Bauausführung ist heute die DIN 18533 "Abdichtung von erdberührten Bauteilen" (2017), die die ältere DIN 18195 abgelöst hat. Sie ordnet die Beanspruchung über Wassereinwirkungsklassen, zum Beispiel W1-E für Bodenfeuchte oder W2.1-E für mäßig drückendes Wasser. Bitumendickbeschichtungen (PMBC/KMB) sind darin je nach Wassereinwirkung breit einsetzbar — von Bodenfeuchte über Spritzwasser bis, in Grenzen, zu drückendem Wasser. Für die PAK-Frage bedeutet das: Ein nach heutiger Norm ausgeführter Kellerschutz ist praktisch immer ein Bitumenprodukt und damit unbedenklich.
Wann es kritisch wird: alte teerhaltige Abdichtungen
Das eigentliche Risiko liegt im Bestand. Kritisch sind vor allem alte teerhaltige Voranstriche, Klebemassen, Abdichtungen und Teerpappen. In der Zeit vor der Umstellung auf Bitumen wurde Steinkohlenteerpech breit als Abdichtungs- und Klebmaterial verwendet, etwa als schwarzer "Voranstrich" auf Kellerwänden oder als Verklebung unter Estrichen und Parkett.
Wenn ein solches Material bei einer Sanierung oder einem Rückbau bearbeitet wird, können PAK freigesetzt werden. Freisetzung droht vor allem bei:
- Erwärmung (etwa beim Abflammen oder Trockeneisstrahlen),
- mechanischer Bearbeitung wie Schneiden, Schleifen oder Fräsen und
- Staubbildung beim Abbruch.
Im ungestörten, eingebauten Zustand ist die Freisetzung dagegen typischerweise gering. Das Problem entsteht also nicht dadurch, dass das Material vorhanden ist, sondern dadurch, dass es bearbeitet, zerkleinert oder entsorgt wird.
Der Leitparameter: Benzo[a]pyren und die Grenzwerte
Bewertet wird teerhaltiges Material vor allem über die Leitsubstanz Benzo[a]pyren (BaP). Sie steht stellvertretend für die Gesamtbelastung, weil sie besonders gut untersucht und toxikologisch relevant ist. Zwei Regelwerke sind hier zentral:
- Nach TRGS 551 gelten Materialien ab einem BaP-Gehalt von 50 mg/kg als Pyrolyseprodukt, also als teerhaltig.
- Nach TRGS 905 gilt ein PAK-haltiger Stoff ab einem BaP-Massenanteil von 0,005 % (= 50 mg/kg) als krebserzeugend.
Beide Schwellen liegen also beim selben Wert. Reines Erdöl-Bitumen liegt in der Praxis fast immer weit darunter, teerhaltiges Material dagegen oft um ein Vielfaches darüber. Die 50-mg/kg-Grenze ist damit die entscheidende Weiche zwischen "unkritisch" und "besondere Schutz- und Entsorgungsmaßnahmen nötig".
PAK sind, allen voran Benzo[a]pyren, krebserzeugend. Das ist der Grund, warum die Grenzwerte im Arbeitsschutz und in der Abfalleinstufung so streng gezogen sind.
Wie die Analyse abläuft
Das Standard-Analysepanel ist die Liste der 16 EPA-PAK, benannt nach der US-Umweltbehörde. Dazu gehören unter anderem Naphthalin, Phenanthren, Fluoranthen, Pyren, Benzo[a]pyren und Benzo[ghi]perylen. Die Bestimmung erfolgt im Labor über eine Extraktion des Materials und anschließende Messung per GC-MS (Gaschromatographie mit Massenspektrometrie). Benzo[a]pyren dient dabei als Leitsubstanz für die Gesamtbewertung.
Praktisch heißt das: Sie entnehmen eine kleine, repräsentative Materialprobe der Abdichtung, das Labor extrahiert und misst die PAK, und das Ergebnis wird an der 50-mg/kg-Schwelle für Benzo[a]pyren gespiegelt.
Wann sich eine PAK-Analyse üblicherweise lohnt
Eine Analyse ist typischerweise dann sinnvoll, wenn eine schwarze Abdichtung unbekannter Herkunft ansteht, saniert, zurückgebaut oder entsorgt zu werden, besonders bei Gebäuden bis etwa Anfang der 1980er Jahre. Zwei praktische Gründe sprechen dafür:
- Arbeitsschutz. Ist das Material teerhaltig, greift die TRGS 551 mit besonderen Schutzmaßnahmen für alle, die daran arbeiten. Wer das vorher weiß, kann Staubschutz, Absaugung und persönliche Schutzausrüstung richtig planen.
- Abfalleinstufung. Teerhaltiges Material muss üblicherweise als gefährlicher Abfall beziehungsweise Sondermüll entsorgt werden, PAK-armes Bitumen dagegen gilt als normaler Bauabfall. Eine Fehleinstufung ist teuer und kann rechtlich riskant werden.
Die Probe entscheidet also ganz konkret über Kosten und Vorgehen. Genau für diesen Fall, eine alte, möglicherweise teerhaltige Kellerabdichtung vor Sanierung oder Entsorgung, bietet Schadstoffalarm.de eine PAK-Materialanalyse per Probeneinsendung an. Sie senden eine Materialprobe per Post ein, die Auswertung erfolgt in externen, teils DAkkS-akkreditierten Partnerlaboren, und die Bewertung wird verständlich im Kundenportal dargestellt.
Zur Ehrlichkeit gehört dabei: Der Betreiber (GUNICO Crown UG, Büttelborn) ist selbst nicht akkreditiert, und nicht jedes Verfahren ist DAkkS-akkreditiert. Neben PAK bieten wir aktuell Asbest, Kationen (ICP-MS) sowie Chlorid (Eluat und Feststoff) an. Andere Parameter wie PCB, Schwermetalle oder KMF (künstliche Mineralfasern) gehören derzeit nicht zu unserem Angebot.
Ein Wort zu Asbest im selben Bauteil
Wer eine alte Kellerabdichtung freilegt, stößt gelegentlich auf weitere Altbaustoffe. Enthält ein angrenzendes Material (etwa Bodenbeläge, Kleber oder Platten) Asbest, gilt eine eigene Logik: Hier steht nicht die chemische Belastung im Vordergrund, sondern das Risiko der Faserfreisetzung beim Bearbeiten. Für asbestverdächtige Materialien sind die Regeln der TRGS 519 einschlägig, und Probenahme sowie Rückbau gehören üblicherweise in die Hand einer qualifizierten Fachfirma. Vermischen Sie die beiden Themen also nicht: PAK ist eine chemische Frage der Herkunft, Asbest eine faserbezogene Frage des Materials.
Häufige Fragen
Ist eine schwarze Wanne wegen PAK gefährlich? In der Regel nicht. Moderne schwarze Wannen bestehen aus Erdöl-Bitumen (Bitumenbahnen beziehungsweise KMB/PMBC) und sind PAK-arm. Kritisch sind alte, teerhaltige Abdichtungen und Voranstriche in Bestandsgebäuden. Dort steckt der eigentliche PAK-Gehalt.
Wie unterscheide ich Bitumen von Teer? Am Aussehen gar nicht, beide sind schwarz und glänzend. Sicherheit gibt üblicherweise nur eine Laboranalyse des PAK-Gehalts mit dem Leitwert Benzo[a]pyren. Ein grober Anhaltspunkt ist das Baujahr: teerhaltig vor allem vor etwa 1980.
Ab wann ist mein schwarzer Kelleranstrich verdächtig? Wenn er aus einem Gebäude bis etwa Anfang der 1980er Jahre stammt und die Herkunft unbekannt ist. Steinkohlenteerpech wurde ab 1979 nicht mehr für Abdichtungen eingesetzt, alles Ältere kann teerhaltig sein.
Wann sollte ich eine PAK-Analyse machen lassen? Üblicherweise vor Sanierung, Rückbau oder Entsorgung einer alten schwarzen Abdichtung unbekannter Herkunft. Das Ergebnis steuert die nötigen Arbeitsschutzmaßnahmen (TRGS 551) und die korrekte, oft kostenrelevante Abfalleinstufung.
Was bedeutet das Analyseergebnis? Maßgeblich ist Benzo[a]pyren (BaP). Ab 50 mg/kg BaP gilt das Material nach TRGS 905 als krebserzeugend beziehungsweise nach TRGS 551 als teerhaltiges Pyrolyseprodukt, dann sind besondere Schutz- und Entsorgungsmaßnahmen nötig. Reines Bitumen liegt meist weit darunter.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und dem besseren Verständnis des Themas. Er stellt keine individuelle rechtliche, gesundheitliche oder fachtechnische Beratung dar und ersetzt nicht die Beurteilung durch eine qualifizierte Fachperson oder ein akkreditiertes Prüflabor. Verbindliche Aussagen zu Ihrem konkreten Fall sind nur auf Basis einer fachgerechten Probenahme und Laboranalyse möglich.