Informationsbeitrag – keine Beratung

Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und dem besseren Verständnis des Themas. Er stellt keine individuelle rechtliche, gesundheitliche oder fachtechnische Beratung dar und ersetzt nicht die Beurteilung durch eine qualifizierte Fachperson oder ein akkreditiertes Prüflabor. Verbindliche Aussagen zu Ihrem konkreten Fall sind nur auf Basis einer fachgerechten Probenahme und Laboranalyse möglich.

Radon im Haus: Woher es kommt und wie man es misst

Radon ist ein natürliches, radioaktives Gas, das aus dem Untergrund in Gebäude eindringen kann – farb-, geruch- und geschmacklos, mit den Sinnen also nicht wahrnehmbar. Ob im eigenen Haus erhöhte Werte vorliegen, lässt sich nur durch eine Messung feststellen. Am zuverlässigsten geschieht das mit passiven Exposimetern (Kernspurdetektoren): kleine, stromlose Messdosen, die man über einen langen Zeitraum in den Wohnräumen und im Keller aufstellt und anschließend im Labor auswerten lässt. Der gesetzliche Referenzwert für die Radon-Konzentration in Aufenthaltsräumen liegt in Deutschland bei 300 Becquerel pro Kubikmeter (Bq/m³) im Jahresmittel. Dieser Ratgeber erklärt, was Radon ist, woher es kommt, warum es gesundheitlich relevant ist und wie eine belastbare Messung in der Praxis abläuft.

Zur Einordnung vorweg: Radon wird über die Raumluft bestimmt, nicht über eine per Post eingesandte Materialprobe. Es gehört deshalb aktuell nicht zum Angebot von Schadstoffalarm.de. Zuständig sind die beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) anerkannten Radon-Messstellen sowie die Landesradonstellen. Dieser Beitrag ist rein informativ und enthält bewusst keine Bestellmöglichkeit für eine Radonmessung.

Was ist Radon?

Radon – genauer: Radon-222 – ist ein natürliches, radioaktives Edelgas. Es entsteht in der natürlichen Zerfallsreihe von Uran-238 über das Zwischenprodukt Radium-226. Radon-222 hat eine Halbwertszeit von rund 3,8 Tagen, zerfällt also verhältnismäßig schnell weiter. Als Edelgas ist Radon chemisch reaktionsträge und dadurch sehr mobil: Es geht kaum Verbindungen ein und kann sich frei durch Poren und Spalten bewegen.

Weil Radon farb-, geruch- und geschmacklos ist, lässt es sich nicht durch Wahrnehmung erkennen. Genau das macht es tückisch – ohne Messung bleibt eine erhöhte Konzentration unbemerkt. Anders als bei sichtbaren Bauschadstoffen gibt es hier keinen optischen Verdachtsmoment; die Konzentration ist ausschließlich messtechnisch zugänglich.

Woher Radon kommt und wie es ins Haus gelangt

Radon stammt aus dem Untergrund. Uran und Radium kommen natürlicherweise in Gestein und Böden vor. Das dabei entstehende Radon-Gas ist sehr beweglich und steigt durch Poren, Risse und Klüfte im Boden nach oben. Wie viel Radon vorhanden ist, hängt stark von der geologischen Beschaffenheit des Untergrunds ab und ist regional sehr unterschiedlich.

Der Eintritt ins Gebäude erfolgt vor allem aus dem Boden über undichte Stellen im erdberührten Bereich. Typische Eintrittswege sind:

  • Risse und Fugen in der Bodenplatte und in Kellerwänden,
  • Rohr- und Kabeldurchführungen im erdberührten Bereich,
  • offene oder unversiegelte Kellerböden.

Die höchsten Konzentrationen treten deshalb meist im Keller und im Erdgeschoss auf – dort, wo das Gebäude Kontakt zum Erdreich hat. Ohne ausreichenden Luftaustausch reichert sich Radon in Innenräumen an. Je dichter ein Gebäude gegenüber dem Untergrund und je geringer die Lüftung, desto stärker kann die Konzentration in den unteren Geschossen steigen.

Gesundheitsrisiko: Warum Radon relevant ist

Radon ist gesundheitlich keineswegs harmlos. Nach dem Rauchen ist es die zweitwichtigste Ursache für Lungenkrebs – und bei Menschen, die nie geraucht haben, sogar die wichtigste. Der Mechanismus: Beim Zerfall von Radon entstehen radioaktive Folgeprodukte. Diese lagern sich an Staub- und Aerosolteilchen in der Luft an, werden eingeatmet und belasten das Lungengewebe mit Alphastrahlung.

Das Risiko steigt mit der Konzentration und der Aufenthaltsdauer. Nach Angaben des BfS erhöht sich das Lungenkrebsrisiko pro 100 Bq/m³ langjähriger Radon-Konzentration in der Raumluft um etwa 16 Prozent. Für Deutschland zeigt eine 2024 veröffentlichte BfS-Studie das Ausmaß der Krankheitslast: Für den Zeitraum 2018 bis 2022 sind demnach rund 2.800 Lungenkrebs-Todesfälle pro Jahr auf Radon in Wohnungen zurückzuführen – das sind über 6 Prozent aller Lungenkrebs-Todesfälle.

Die Anteile sind regional sehr unterschiedlich, was den geologischen Zusammenhang widerspiegelt: In Thüringen liegt der Anteil laut Studie bei rund 10 Prozent, in Sachsen bei rund 9,5 Prozent, während er in den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen bei etwa 3 Prozent liegt.

Der Referenzwert von 300 Bq/m³

Das deutsche Strahlenschutzgesetz (StrlSchG) legt für die über das Jahr gemittelte Radon-222-Aktivitätskonzentration in der Luft einen Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter (Bq/m³) fest – für Aufenthaltsräume (§ 124 StrlSchG) ebenso wie für Arbeitsplätze (§ 126 StrlSchG). Grundlage ist die EU-Richtlinie 2013/59/Euratom, die 300 Bq/m³ als maximalen Referenzwert für Innenräume vorgibt.

Wichtig ist die richtige Einordnung dieses Werts: Ein Referenzwert ist kein Grenzwert. Er dient als Maßstab dafür, ab wann Schutzmaßnahmen zu prüfen beziehungsweise angemessen sind. Auch unterhalb von 300 Bq/m³ kann eine weitere Reduzierung sinnvoll sein – die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt sogar einen deutlich niedrigeren Richtwert von 100 Bq/m³. Ein Messergebnis unter dem Referenzwert bedeutet also nicht, dass gar kein Risiko besteht; es bedeutet, dass der gesetzliche Handlungsmaßstab nicht überschritten ist.

Radonvorsorgegebiete

Der Gesetzgeber trägt der regionalen Verteilung mit einer besonderen Regelung Rechnung. Nach § 121 StrlSchG legen die Bundesländer sogenannte Radonvorsorgegebiete fest – Gebiete, in denen erhöhte Radon-Konzentrationen zu erwarten sind. Dort gelten zusätzliche Pflichten.

Dazu gehören unter anderem eine Radon-Messpflicht an bestimmten Arbeitsplätzen im Keller- und Erdgeschoss (§ 127 StrlSchG) sowie verstärkte bauliche Vorsorge bei Neubauten. Wer sich fragt, ob das eigene Grundstück in einem solchen Gebiet liegt, findet die Ausweisung über die zuständigen Landesstellen. Zu beachten ist aber: Auch außerhalb ausgewiesener Vorsorgegebiete können im Einzelfall erhöhte Werte auftreten – die Festlegung beschreibt eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, ersetzt aber keine Messung im konkreten Gebäude.

Radon im Haus messen: mit Exposimetern

Zuverlässig misst man Radon mit passiven Kernspurdetektoren, den sogenannten Exposimetern. Das sind kleine, stromlose Messdosen, die die Spuren des Radon-Zerfalls auf einer Detektorfolie sammeln. Nach Ende der Messzeit wird die Folie im Labor ausgewertet. Der Vorteil dieser passiven Methode: Sie erfasst die Konzentration über einen langen Zeitraum und liefert damit einen belastbaren Mittelwert.

Elektronische Geräte liefern demgegenüber nur Momentaufnahmen und ersetzen keine Langzeitmessung. Weil die Radon-Konzentration im Tages- und Jahresverlauf – etwa mit Lüftungsgewohnheiten und Jahreszeit – schwankt, ist eine kurze Messung wenig aussagekräftig.

Für einen belastbaren Jahresmittelwert sollte über einen langen Zeitraum gemessen werden, idealerweise über 12 Monate. Gesetzlich vorgeschriebene Messungen, etwa an Arbeitsplätzen, sind Langzeitmessungen von mindestens 12 Monaten. Bei der Aufstellung haben sich einige Punkte bewährt:

  • Detektoren gehören in die am meisten genutzten Räume – üblicherweise Wohn-, Schlaf- und Kinderzimmer – ergänzt um den Keller.
  • Sie werden mit Abstand zu Heizung und Fenster aufgestellt, um lokale Verfälschungen zu vermeiden.
  • Über die gesamte Messzeit bleiben sie an ihrem Platz.

Die Kosten liegen meist bei rund 30 bis 50 Euro je Detektor inklusive Laborauswertung.

Anerkannte Messstellen: worauf es ankommt

Für aussagekräftige und – an Arbeitsplätzen – rechtssichere Ergebnisse sollten Exposimeter von beim BfS anerkannten Messstellen bezogen werden. Die Anerkennung solcher Messstellen ist in § 155 StrlSchV geregelt; das BfS führt dazu eine Liste anerkannter Anbieter. Über diese Messstellen erhält man die Detektoren, die Auswertung und ein dokumentiertes Ergebnis aus einer Hand.

An dieser Stelle gehört ein klarer Hinweis dazu: Radon gehört derzeit nicht zum Angebot von Schadstoffalarm.de. Das Betreibermodell – Kunde bestellt online, sendet eine Materialprobe per Post ein, Auswertung im Partnerlabor – passt technisch nicht zu Radon, denn Radon wird über die Raumluft mit einem Exposimeter bestimmt und nicht über eine eingeschickte Materialprobe. Für eine Radonmessung wenden Sie sich in der Regel an eine beim BfS anerkannte Messstelle oder an die zuständige Landesradonstelle.

Die von Schadstoffalarm.de (Betreiber GUNICO Crown UG, Büttelborn) angebotenen Analysen – etwa zu PAK, Asbest, Kationen oder Chlorid – betreffen andere Stoffe und andere Verfahren und sind ausdrücklich keine Radon-Lösung. Wer sich für diese materialbasierten Themen interessiert, findet einen Überblick im Analyse-Angebot sowie weitere Beiträge im Ratgeber. Zur Ehrlichkeit gehört außerdem: Der Betreiber selbst ist nicht akkreditiert, und nicht jedes Verfahren ist DAkkS-akkreditiert.

Häufige Fragen

Ist Radon im Haus wirklich gefährlich? Ja. Radon ist nach dem Rauchen die häufigste Ursache für Lungenkrebs und bei Nichtrauchern die wichtigste. In Deutschland gehen laut BfS rund 2.800 Lungenkrebs-Todesfälle pro Jahr auf Radon in Wohnungen zurück. Das Risiko steigt mit der Konzentration und der Aufenthaltsdauer.

Wie hoch ist der Radon-Referenzwert in Deutschland? Er liegt bei 300 Becquerel pro Kubikmeter (Bq/m³) als Jahresmittelwert – für Aufenthaltsräume und Arbeitsplätze, festgelegt im Strahlenschutzgesetz. Das ist ein Referenzwert, kein Grenzwert; die WHO empfiehlt sogar einen niedrigeren Richtwert von 100 Bq/m³.

Wie kann ich Radon im Haus messen? Am zuverlässigsten mit passiven Exposimetern (Kernspurdetektoren): stromlose Messdosen, die man in den meistgenutzten Räumen und im Keller aufstellt und nach der Messzeit ans Labor schickt. Für einen belastbaren Jahresmittelwert sollte über 12 Monate gemessen werden.

Woher kommt Radon im Gebäude? Aus dem Untergrund. Radon entsteht beim natürlichen Zerfall von Uran und Radium im Boden und dringt über Risse, Fugen und Leitungsdurchführungen im erdberührten Bereich ins Haus ein. Deshalb sind Keller und Erdgeschoss meist am stärksten betroffen.

Was kostet eine Radonmessung und worauf sollte ich achten? Passive Exposimeter kosten meist rund 30 bis 50 Euro je Detektor inklusive Laborauswertung. Für aussagekräftige und – am Arbeitsplatz – rechtssichere Ergebnisse sollten Geräte von beim BfS anerkannten Messstellen genutzt und lange, idealerweise 12 Monate, gemessen werden.

Fazit

Radon ist ein natürliches, radioaktives Edelgas aus dem Untergrund, das sich weder sehen noch riechen lässt und über undichte Stellen im erdberührten Bereich ins Haus gelangt. Weil es nach dem Rauchen die wichtigste Ursache für Lungenkrebs ist, ist eine erhöhte Konzentration gesundheitlich relevant – erkennbar allerdings nur durch eine Messung. Der Referenzwert von 300 Bq/m³ im Jahresmittel gibt den gesetzlichen Handlungsmaßstab vor, ist aber kein Grenzwert, unterhalb dessen keinerlei Risiko bestünde. Belastbar messen lässt sich Radon mit passiven Exposimetern über einen langen Zeitraum, idealerweise 12 Monate, bezogen über eine beim BfS anerkannte Messstelle. Diese spezielle Analyse gehört derzeit nicht zum Angebot von Schadstoffalarm.de; für eine Radonmessung sind die anerkannten Messstellen und die Landesradonstellen die richtigen Ansprechpartner.

Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und dem besseren Verständnis des Themas. Er stellt keine individuelle rechtliche, gesundheitliche oder fachtechnische Beratung dar und ersetzt nicht die Beurteilung durch eine qualifizierte Fachperson oder ein akkreditiertes Prüflabor. Verbindliche Aussagen zu Ihrem konkreten Fall sind nur auf Basis einer fachgerechten Probenahme und Laboranalyse möglich.