Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und dem besseren Verständnis des Themas. Er stellt keine individuelle rechtliche, gesundheitliche oder fachtechnische Beratung dar und ersetzt nicht die Beurteilung durch eine qualifizierte Fachperson oder ein akkreditiertes Prüflabor. Verbindliche Aussagen zu Ihrem konkreten Fall sind nur auf Basis einer fachgerechten Probenahme und Laboranalyse möglich.
PCB in Gebäuden: Fugenmassen, Anstriche und Deckenplatten
PCB (polychlorierte Biphenyle) sind langlebige Chlorverbindungen, die vor allem in Gebäuden der 1950er- bis 1970er-Jahre verbaut wurden – am häufigsten in dauerelastischen Fugenmassen, in Anstrichen und Beschichtungen sowie in Akustik- und Deckenplatten. Hinzu kommen Kondensatoren und Transformatoren. Aus diesen Quellen gasen PCB über Jahrzehnte langsam aus und reichern sich in Raumluft, Staub und angrenzenden Baustoffen an. Weil die Verbindungen im Körper gespeichert werden und als krebserzeugend gelten, hängt viel davon ab, ob eine Quelle vorhanden ist – Sicherheit gibt nur eine Labormessung. Dieser Ratgeber ordnet ein, was PCB sind, wo sie stecken, welche Richtwerte gelten und wie eine Untersuchung üblicherweise abläuft.
Was sind PCB?
Polychlorierte Biphenyle sind eine Gruppe von 209 chlororganischen Verbindungen, den sogenannten Kongeneren. Sie unterscheiden sich darin, wie viele Chloratome an welcher Stelle des Biphenyl-Grundgerüsts sitzen. Technisch kamen sie nicht als Einzelstoff, sondern als Gemische auf den Markt – in Deutschland unter anderem unter dem Handelsnamen Clophen (Bayer).
Geschätzt wurden PCB vor allem wegen ihrer chemischen und thermischen Stabilität, ihrer schweren Entflammbarkeit und ihrer weichmachenden Eigenschaften. Genau diese Beständigkeit ist aus heutiger Sicht das Problem: PCB sind fettlöslich, kaum abbaubar und zählen zu den langlebigen organischen Schadstoffen (POP, persistent organic pollutants) der Stockholmer Konvention beziehungsweise der europäischen POP-Verordnung. Einmal in einem Gebäude oder in der Umwelt vorhanden, bleiben sie über sehr lange Zeiträume erhalten.
Wo PCB in Gebäuden vorkommen
Bei PCB unterscheidet man zwei grundsätzlich verschiedene Einsatzbereiche – die „offene" und die „geschlossene" Anwendung. Das ist keine akademische Feinheit, sondern entscheidet darüber, ob ein Material überhaupt PCB an die Raumluft abgibt.
Offene Anwendungen waren bis etwa 1975 verbreitet. Hier war das PCB unmittelbar in einen Baustoff eingearbeitet, ohne Kapselung:
- Dauerelastische Fugendichtungsmassen: der klassische Verdachtsfall. PCB diente als Weichmacher, damit die Fugen elastisch blieben – etwa an Betonfertigteilen, Dehnfugen, Fenster- und Fassadenanschlüssen. Solche Fugenmassen enthalten typischerweise mehr als 0,1 Gewichtsprozent PCB.
- Anstriche und Beschichtungen: PCB-haltige Farben und Lacke, die großflächig auf Wänden, Decken oder Stahlbauteilen aufgebracht wurden.
- Akustik- und Deckenplatten: PCB-haltige Platten, wie sie in Schulen, Turnhallen, Verwaltungs- und Bürogebäuden zur Schalldämmung eingesetzt wurden.
Geschlossene Anwendungen halten das PCB in einem gekapselten Bauteil zurück, solange dieses intakt ist:
- Kondensatoren: unter anderem in den Vorschaltgeräten älterer Leuchtstofflampen, die bis etwa 1988 verbaut wurden.
- Transformatoren: in denen PCB als schwer entflammbare Isolier- und Kühlflüssigkeit diente.
Bei geschlossenen Anwendungen besteht die Gefahr vor allem dann, wenn ein Bauteil undicht wird, ausläuft oder unsachgemäß demontiert wird. Bei offenen Anwendungen dagegen ist die Abgabe von PCB gewissermaßen eingebaut.
Warum sich PCB im Gebäude verteilen: Sekundärquellen
Der Grund, warum PCB in Gebäuden auch Jahrzehnte nach dem Einbau noch relevant sind, liegt in ihrem Ausgasungsverhalten. Aus offenen Anwendungen entweichen PCB über Jahrzehnte hinweg langsam an die Raumluft. Von dort lagern sie sich in Staub ab und dringen in angrenzende Baustoffe ein – in Beton, Putz, Estrich oder Holz rund um eine belastete Fuge.
Diese ursprünglich unbelasteten Materialien werden dadurch selbst zu Sekundärquellen: Sie haben über die Jahre so viel PCB aufgenommen, dass sie es nun ihrerseits wieder an die Raumluft abgeben. Für die Bewertung und eine mögliche Sanierung ist das ein wichtiger Punkt, weil sich die Belastung nicht zwingend auf die eine sichtbare Fuge beschränkt, sondern sich in die Umgebung „eingelagert" haben kann.
Rechtslage: seit wann PCB verboten sind
Der Umgang mit PCB wurde in mehreren Schritten eingeschränkt. In Deutschland wurde die offene Anwendung bereits 1978 verboten, die Produktion 1983 eingestellt. Ein umfassendes Herstellungs- und Verwendungsverbot trat am 14. Februar 1989 in Kraft. International sind PCB seit der Stockholmer Konvention (2001) als langlebiger organischer Schadstoff eingestuft und unterliegen der POP-Verordnung.
Für die Praxis bedeutet das: Neu eingebaut wird PCB längst nicht mehr. Relevant sind ausschließlich Altbestände in Gebäuden, die vor diesen Verboten errichtet oder saniert wurden. Ein Verdacht besteht deshalb vor allem bei Bauten der 1950er- bis 1970er-Jahre.
Gesundheitliche Bedeutung von PCB
PCB sind fettlöslich und sehr langlebig. Sie werden vom Körper nur schlecht ausgeschieden und reichern sich mit der Zeit im Fettgewebe an. Zu den möglichen Wirkungen zählen unter anderem Chlorakne, Leberschäden sowie Schädigungen von Immun-, Nerven- und Hormonsystem. PCB gelten zudem als reproduktionstoxisch, können also die Fortpflanzung beeinträchtigen.
Besonders schwer wiegt die krebserzeugende Wirkung: Die Internationale Krebsforschungsagentur IARC der Weltgesundheitsorganisation stuft PCB als krebserzeugend für den Menschen ein – in die Gruppe 1, die höchste Kategorie. Diese Bewertung ist ein wesentlicher Grund, warum Innenraumbelastungen mit PCB ernst genommen und Quellen in der Regel beseitigt werden.
Richtwerte für PCB in der Innenraumluft
Um eine gemessene Belastung einordnen zu können, braucht es Vergleichswerte. In Innenräumen ohne spezifische PCB-Quelle liegen die medianen PCB-Konzentrationen der Raumluft üblicherweise etwa zwischen 1,3 und 18 ng/m³ – das ist die normale Hintergrundbelastung.
Lange Zeit orientierte man sich an den Werten der PCB-Richtlinie aus den 1990er-Jahren:
- Vorsorgewert 300 ng PCB/m³: langfristig als tolerabel angesehen.
- Interventionswert 3.000 ng/m³: akute Gefahr, die Sofortmaßnahmen auslöst.
- Im Bereich dazwischen gilt üblicherweise: Quelle aufspüren und mittelfristig beseitigen.
2025 hat der Ausschuss für Innenraumrichtwerte (AIR) am Umweltbundesamt im Bundesgesundheitsblatt deutlich strengere Richtwerte veröffentlicht:
- Richtwert I (Vorsorge): 80 ng/m³.
- Richtwert II (gesundheitliche Gefahr): 800 ng/m³.
- Für dioxinähnliche PCB kommt zusätzlich ein Wert von rund 4 bis 5 pg WHO-TEQ/m³ hinzu.
Die neuen Werte liegen damit deutlich unter denen der alten PCB-Richtlinie. Welche Werte im Einzelfall herangezogen werden, hängt vom jeweiligen landesrechtlichen Stand und der Beurteilung durch die Fachperson ab.
Wie PCB untersucht wird
Ob und in welcher Höhe PCB vorliegt, lässt sich optisch nicht erkennen – dafür ist eine Laboruntersuchung nötig. Grundsätzlich kommen zwei sich ergänzende Wege in Betracht:
Materialprobe: Eine kleine Probe des verdächtigen Materials – etwa Fugenmasse, Farbe oder Deckenplatte – wird auf ihren PCB-Gehalt untersucht. Als „PCB-haltig" gilt Material ab 0,1 Gewichtsprozent, das entspricht 1.000 mg/kg. Die Materialprobe zeigt, ob eine Primärquelle vorhanden ist.
Raumluftmessung: Um die tatsächliche Belastung der Nutzer zu bewerten, wird die Raumluft gemessen und mit den oben genannten Richtwerten verglichen. Sie zeigt, wie stark PCB tatsächlich in die Atemluft gelangt.
Analytisch bestimmt das Labor in der Regel die sechs Indikator-Kongenere – PCB 28, 52, 101, 138, 153 und 180, oft als „Ballschmiter" oder ICES-6 bezeichnet – mittels Gaschromatographie-Massenspektrometrie (GC-MS). Für den Gesamt-PCB-Gehalt wird nach PCB-Richtlinie üblicherweise die Summe dieser sechs Indikator-PCB mit dem Faktor 5 multipliziert. Wichtig beim Lesen eines Berichts: Man sollte prüfen, ob eine Zahl die Summe der sechs Kongenere oder bereits den hochgerechneten Gesamtgehalt meint.
Sanierung und Arbeitsschutz
Steht fest, dass ein Bauteil PCB enthält, geht es um den fachgerechten Umgang damit. Für Tätigkeiten an PCB-belasteten Bauteilen gelten die Gefahrstoffverordnung und die TRGS 524. Ausbau, Reinigung und Entsorgung sind fachgerecht durchzuführen; PCB-Abfälle sind gefährlicher Abfall und dürfen nicht über den normalen Bauschutt entsorgt werden.
Weil beim Ausbau oder bei der Bearbeitung belasteter Materialien PCB freigesetzt und in der Umgebung verteilt werden kann, ist es üblicherweise sinnvoll, Untersuchung und Sanierung durch fachkundige Personen planen und ausführen zu lassen. Auch die zuvor beschriebenen Sekundärquellen spielen dabei eine Rolle: Es kann nicht ausreichen, nur die sichtbare Fuge zu entfernen, wenn angrenzende Baustoffe bereits belastet sind.
Gehört eine PCB-Analyse zum Angebot von Schadstoffalarm.de?
Ehrliche Antwort: Nein. Eine PCB-Analyse gehört aktuell nicht zu unserem Angebot. Wir bieten derzeit ausschließlich Analysen für PAK, Asbest, Kationen (per ICP-MS) sowie Chlorid als Eluat und als Feststoff an. PCB können wir – ebenso wie künstliche Mineralfasern (KMF/Mineralwolle), Schwermetalle oder Radon – zurzeit nicht untersuchen.
Wer eine PCB-Untersuchung benötigt, wendet sich in der Regel am besten an ein spezialisiertes, möglichst DAkkS-akkreditiertes Labor oder an einen Schadstoff-Sachverständigen. Zur Einordnung von Baustoffen und Analyseverfahren rund um die von uns angebotenen Parameter finden Sie weitere Beiträge in unserem Ratgeber; einen Überblick über unsere tatsächlich verfügbaren Analysen gibt die Bestellübersicht. Betrieben wird Schadstoffalarm.de von der GUNICO Crown UG in Büttelborn; der Betreiber selbst ist nicht akkreditiert, und nicht jedes Verfahren unserer Partnerlabore ist DAkkS-akkreditiert. Für PCB stellen wir bewusst keinen Bestell-Link bereit, weil wir diese Analyse nicht anbieten.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich, ob mein Gebäude PCB-belastet sein könnte? Ein Verdacht besteht vor allem bei Bauten der 1950er- bis 1970er-Jahre mit dauerelastischen Fugen, PCB-haltigen Anstrichen oder Akustikdecken sowie bei alten Kondensatoren in Leuchtstofflampen. Sicherheit gibt nur eine Material- oder Raumluftuntersuchung durch ein Labor.
Ist PCB gesundheitsschädlich? Ja. PCB sind langlebig und reichern sich im Körper an. Die IARC stuft sie als krebserzeugend für den Menschen ein (Gruppe 1); zudem gelten sie als reproduktionstoxisch und können Leber sowie Immun-, Nerven- und Hormonsystem schädigen.
Welche Richtwerte gelten für PCB in der Innenraumluft? Lange galten 300 ng/m³ (Vorsorge) und 3.000 ng/m³ (Interventionswert) der PCB-Richtlinie. 2025 hat der UBA-Ausschuss für Innenraumrichtwerte deutlich strengere Werte veröffentlicht: 80 ng/m³ (Richtwert I) und 800 ng/m³ (Richtwert II).
Wie wird PCB untersucht? Im Labor werden per GC-MS die sechs Indikator-Kongenere bestimmt – entweder an einer Materialprobe (zum Beispiel Fugenmasse oder Farbe) oder in der Raumluft. Der Gesamtgehalt wird meist als Summe der sechs Kongenere multipliziert mit dem Faktor 5 berechnet.
Bietet Schadstoffalarm.de eine PCB-Analyse an? Nein. PCB gehört aktuell nicht zu unserem Angebot. Wir analysieren derzeit PAK, Asbest, Kationen und Chlorid. Für PCB wenden Sie sich bitte an ein spezialisiertes, möglichst DAkkS-akkreditiertes Labor oder einen Schadstoff-Sachverständigen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und dem besseren Verständnis des Themas. Er stellt keine individuelle rechtliche, gesundheitliche oder fachtechnische Beratung dar und ersetzt nicht die Beurteilung durch eine qualifizierte Fachperson oder ein akkreditiertes Prüflabor. Verbindliche Aussagen zu Ihrem konkreten Fall sind nur auf Basis einer fachgerechten Probenahme und Laboranalyse möglich.