Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und dem besseren Verständnis des Themas. Er stellt keine individuelle rechtliche, gesundheitliche oder fachtechnische Beratung dar und ersetzt nicht die Beurteilung durch eine qualifizierte Fachperson oder ein akkreditiertes Prüflabor. Verbindliche Aussagen zu Ihrem konkreten Fall sind nur auf Basis einer fachgerechten Probenahme und Laboranalyse möglich.
Chlorid im Eluat oder Feststoff? Welche Analyse Sie wann brauchen
Wer eine Chlorid-Analyse beauftragen möchte, steht schnell vor einer scheinbar technischen, in Wahrheit aber sehr grundlegenden Frage: im Eluat oder im Feststoff? Die kurze Antwort vorweg: Geht es um Entsorgung, Deponierung oder um die Verwertung und das Recycling von Material – etwa Boden, Bauschutt oder Schlacke –, ist in der Regel die Eluat-Analyse die richtige Wahl. Geht es dagegen um den tatsächlichen Chloridgehalt in einem Bauteil oder um das Korrosionsrisiko einer Stahlbewehrung, brauchen Sie üblicherweise die Feststoff-Analyse. Beide Verfahren beantworten unterschiedliche Fragen und liefern Werte, die sich nicht ineinander umrechnen lassen. Dieser Ratgeber erklärt den Unterschied, die zugrunde liegenden Methoden und die maßgeblichen Regelwerke – damit Sie von vornherein die passende Untersuchung wählen.
Zwei Fragen, zwei Analysen
Eluat und Feststoff messen nicht dasselbe – sie beantworten zwei verschiedene Fragen.
Die Eluat-Analyse (Auslaugung) zeigt, wie viel Chlorid unter Wasserkontakt mobil wird und ausgewaschen werden kann. Das ist entscheidend überall dort, wo Material mit Wasser in Berührung kommen kann: bei der Verwertung, beim Recycling und bei der Deponierung. Nicht der gesamte im Material gebundene Anteil ist hier relevant, sondern nur der Teil, der sich tatsächlich löst und in die Umwelt gelangen könnte.
Die Feststoff-Analyse misst den Gesamtgehalt an Chlorid im Material – also die komplette Menge, unabhängig davon, wie leicht sie sich löst. Dieser Wert ist entscheidend für die Bewertung von Bauwerken und für Korrosionsrisiken, etwa an der Bewehrung von Stahlbeton.
Die Wahl der richtigen Analyse-Art ist deshalb keine Formalie, sondern bestimmt, ob Ihr Ergebnis Ihre eigentliche Frage überhaupt beantwortet.
Die Eluat-Analyse: erst auslaugen, dann messen
Bei der Eluat-Analyse steht ein zusätzlicher Schritt vor der eigentlichen Messung: die Eluatherstellung. Die Probe wird zunächst nach DIN EN 12457 ausgelaugt. Dabei handelt es sich um ein einstufiges Schüttelverfahren mit einem festgelegten Flüssigkeits-/Feststoff-Verhältnis von L/S = 10 l/kg. Für Korngrößen unter 4 mm kommt Teil 2 der Norm zur Anwendung, für Korngrößen unter 10 mm Teil 4. Vereinfacht gesagt: Das Material wird mit einer definierten Menge Wasser geschüttelt, sodass sich der lösliche Anteil im Wasser sammelt.
Analysiert wird anschließend nicht das Material selbst, sondern das so gewonnene Eluat. Der Gesamtgehalt im Feststoff wird dabei ausdrücklich nicht bestimmt – das Verfahren bildet gezielt nur den mobilen, wasserlöslichen Anteil ab.
Die Bestimmung von Chlorid im Eluat erfolgt im akkreditierten Partnerlabor per Ionenchromatographie nach DIN EN ISO 10304-1. Dieses Verfahren bestimmt gelöste Anionen gemeinsam – neben Chlorid unter anderem auch Bromid, Fluorid, Nitrat, Nitrit, Phosphat und Sulfat; die untere Anwendungsgrenze für Chlorid liegt bei etwa 0,1 mg/l. Eine klassische Alternative ist die argentometrische Titration nach DIN EN ISO 9297.
Die Feststoff-Analyse: der Gesamtgehalt im Material
Die Feststoff-Analyse verzichtet auf die Auslaugung und ermittelt stattdessen, wie viel Chlorid insgesamt im Material steckt. Bei Schadstoffalarm.de wird der Chlorid-Gesamtgehalt im Feststoff per Küvetten-Schnelltest bestimmt (Hach Lange LCK 311). Dieser Test arbeitet photometrisch nach der Eisen(III)-thiocyanat-Methode und deckt Messbereiche von 1–70 bzw. 70–1.000 mg/l Cl ab.
Hier ein Punkt, den wir offen benennen: Dieses Feststoff-Verfahren nach Lange ist nicht DAkkS-akkreditiert. Es liefert einen belastbaren Orientierungswert, ersetzt aber keine akkreditierte Prüfung. Wenn Sie einen akkreditierten Nachweis für einen formalen Zweck benötigen, sollten Sie das bei der Wahl der Analyse berücksichtigen.
Wann brauchen Sie welche Analyse?
Als Faustregel lässt sich die Entscheidung meist an der zugrunde liegenden Fragestellung festmachen:
- Entsorgung, Deponie, Verwertung oder Recycling von Material (Boden, Bauschutt, Schlacke): In der Regel ist die Eluat-Analyse gefragt, weil hier das Auslaugverhalten bewertet wird.
- Tatsächlicher Chloridgehalt in einem Bauteil oder Korrosionsrisiko der Bewehrung: Üblicherweise ist die Feststoff-Analyse die richtige, weil es auf den Gesamtgehalt ankommt.
Wenn Sie unsicher sind, welche Variante zu Ihrem konkreten Vorhaben passt, kann ein Blick auf die passende Analyse und deren Beschreibung helfen – etwa die Chlorid-Analyse im Eluat bei Schadstoffalarm.de, die das Auslaugverhalten für Entsorgungs- und Verwertungsfragen abbildet. Für die Bewertung eines Bauteils steht daneben die Chlorid-Feststoff-Analyse zur Verfügung.
Grenzwerte und Regelwerke im Überblick
Welche Analyse Sie brauchen, ergibt sich oft schon aus dem Regelwerk, das für Ihren Fall gilt – denn die Vorschriften bewerten Chlorid teils im Eluat, teils im Feststoff.
Deponierung – Deponieverordnung (DepV). Für die Deponierung gelten die Zuordnungswerte der DepV (Anhang 3, Tabelle 2). Chlorid wird dort im Eluat bewertet. Die Richtwerte liegen bei rund 80 mg/l für die Inertabfall-Klasse DK 0, 1.500 mg/l für DK I und DK II sowie 2.500 mg/l für DK III. Für Chlorid gilt – ebenso wie für Sulfat und den Abdampfrückstand – eine Besonderheit: Eine Überschreitung des Zuordnungswertes um bis zu 100 % ist zulässig.
Verwertung – Ersatzbaustoffverordnung (EBV). Für die Verwertung mineralischer Ersatzbaustoffe wie Recycling-Beton, Schlacken oder Bodenmaterial ist seit dem 01.08.2023 die Ersatzbaustoffverordnung (Teil der Mantelverordnung) maßgeblich. Auch hier wird Chlorid im Eluat als Materialwert bewertet. Bei Verwertungs- und Entsorgungsfragen ist deshalb die Eluat-Analyse in der Regel die richtige Wahl.
Bauwerk – DIN EN 206 / DIN 1045-2. Für Beton ist dagegen der Chlorid-Gesamtgehalt kritisch. Überschreitet er einen Grenzwert, kann die schützende Passivschicht des Bewehrungsstahls zerstört werden – die Depassivierung führt zu Bewehrungskorrosion. DIN EN 206 und DIN 1045-2 begrenzen den Chloridgehalt auf 0,40 Masseprozent bezogen auf den Zement für Stahlbeton (Klasse Cl 0,40) bzw. 0,20 Masseprozent für Spannbeton (Cl 0,20). Diese Frage beantwortet ausschließlich die Feststoff-Analyse.
Warum Chlorid überhaupt eine so breite Aufmerksamkeit erfährt, zeigt ein Blick ins Trinkwasser: In der Trinkwasserverordnung ist Chlorid ein Indikatorparameter mit einem Wert von 250 mg/l, weil hohe Chloridkonzentrationen unter anderem die Korrosion metallischer Leitungen fördern. Das erklärt, warum der Stoff sowohl im Wasser- und Eluatpfad (Auslaugung) als auch im Bauwerk (Gesamtgehalt) relevant ist.
Warum sich Eluat- und Feststoffwert nicht umrechnen lassen
Ein häufiges Missverständnis: dass man aus dem einen Wert den anderen ableiten könne. Das ist nicht der Fall. Ein niedriger Eluatwert bedeutet nicht zwingend einen niedrigen Gesamtgehalt – und umgekehrt. Der Grund liegt in der Methodik: Ins Eluat geht nur der wasserlösliche, mobile Anteil des Chlorids über, während der Feststoffwert das gesamte im Material gebundene Chlorid erfasst. Ein Material kann also viel Chlorid enthalten, von dem sich nur ein kleiner Teil auswaschen lässt – oder umgekehrt. Genau deshalb ist die bewusste Wahl der richtigen Analyse-Art entscheidend und keine bloße Geschmacksfrage.
Abgrenzung: Chlorid ist kein Fall für die ICP-MS
Chlorid ist ein Anion und wird deshalb nicht per ICP-MS bestimmt. Die ICP-MS nach DIN EN ISO 17294-2 dient der Bestimmung von Metallen und Kationen und ist die Methode der Kationen-Analyse. Für Chlorid sind Ionenchromatographie (DIN EN ISO 10304-1) oder Titration (DIN EN ISO 9297) die richtigen Verfahren. Wer Chlorid untersuchen lassen möchte, wählt daher gezielt eine Chlorid-Analyse und nicht die Kationen-Analyse per ICP-MS.
Zur Einordnung: Andere Schadstoff-Themen folgen wieder eigenen Regelwerken und Methoden. Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) werden zum Beispiel nach TRGS 551 über den Leitparameter Benzo[a]pyren bewertet – dort gilt ein Gehalt unter 50 mg/kg als unbedenklich, 50 bis 1.000 mg/kg als auffällig und über 1.000 mg/kg als erheblich. Asbest wiederum wird über die Rasterelektronenmikroskopie nach VDI 3866 Blatt 5 nachgewiesen. Diese Normen sind für Chlorid nicht einschlägig – sie zeigen aber, dass die Wahl von Verfahren und Bewertungsmaßstab immer vom untersuchten Stoff abhängt.
Ein wichtiger Sicherheitshinweis speziell zu Asbest: Bei asbestverdächtigen Materialien besteht das Risiko einer Faserfreisetzung. Es kann daher sinnvoll sein, die Probenahme nicht selbst durchzuführen, sondern eine Fachfirma damit zu beauftragen, um eine unkontrollierte Freisetzung von Fasern zu vermeiden.
Häufige Fragen
Brauche ich die Chlorid-Analyse im Eluat oder im Feststoff? Das hängt von Ihrer Frage ab: Geht es um Entsorgung, Deponierung oder Verwertung und Recycling von Material, brauchen Sie in der Regel das Eluat (Auslaugverhalten). Geht es um den tatsächlichen Chloridgehalt in einem Bauteil oder um das Korrosionsrisiko der Bewehrung, brauchen Sie üblicherweise den Feststoff (Gesamtgehalt).
Warum unterscheiden sich Eluat- und Feststoffwert – kann man sie umrechnen? Nein. Das Eluat erfasst nur den wasserlöslichen, mobilen Anteil, der unter Wasserkontakt ausgewaschen wird; der Feststoffwert erfasst das gesamte im Material gebundene Chlorid. Ein niedriger Eluatwert schließt einen hohen Gesamtgehalt nicht aus – beide Werte sind nicht ineinander umrechenbar.
Ist die Chlorid-Analyse bei Ihnen DAkkS-akkreditiert? Teilweise, und das sagen wir offen: Die Eluat-Bestimmung per Ionenchromatographie (DIN EN ISO 10304-1) kann im DAkkS-akkreditierten Partnerlabor erfolgen. Die Feststoff-Schnellbestimmung nach Lange (Küvettentest LCK 311) ist nicht akkreditiert und liefert einen belastbaren Orientierungswert. Schadstoffalarm.de selbst ist nicht akkreditiert – wir arbeiten mit externen, teils akkreditierten Laboren.
Welche Grenzwerte gelten für Chlorid bei der Deponierung? Maßgeblich ist die Deponieverordnung (DepV, Anhang 3, Tabelle 2). Chlorid wird im Eluat bewertet: rund 80 mg/l für die Inertabfall-Klasse DK 0, 1.500 mg/l für DK I und DK II sowie 2.500 mg/l für DK III; eine Überschreitung um bis zu 100 % ist bei Chlorid zulässig. Für die Verwertung mineralischer Ersatzbaustoffe gilt zusätzlich die Ersatzbaustoffverordnung.
Kann ich Chlorid mit Ihrer Kationen-Analyse (ICP-MS) messen? Nein. Chlorid ist ein Anion und wird nicht per ICP-MS bestimmt – ICP-MS ist für Metalle und Kationen. Chlorid misst man per Ionenchromatographie (DIN EN ISO 10304-1) oder Titration (DIN EN ISO 9297). Für Chlorid wählen Sie daher gezielt die Produkte Chlorid-Eluat oder Chlorid-Feststoff.
So läuft die Analyse ab
Das Modell ist bei Schadstoffalarm.de bewusst einfach gehalten: Sie bestellen die passende Analyse online, senden Ihre Materialprobe per Post ein, die Auswertung erfolgt im externen – je nach Verfahren teils DAkkS-akkreditierten – Partnerlabor, und das Ergebnis erhalten Sie als verständliche Bewertung im Kundenportal. Betreiber ist die GUNICO Crown UG aus Büttelborn. Wichtig für die Einordnung: Der Betreiber selbst ist nicht akkreditiert; akkreditiert sind – wo zutreffend – die beauftragten Partnerlabore und das jeweilige Verfahren. Beim Eluat-Weg über die Ionenchromatographie ist das möglich, bei der Feststoff-Schnellbestimmung nach Lange nicht. Diese Unterscheidung kommunizieren wir bewusst offen, statt mehr zu versprechen, als das Verfahren hergibt.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und dem besseren Verständnis des Themas. Er stellt keine individuelle rechtliche, gesundheitliche oder fachtechnische Beratung dar und ersetzt nicht die Beurteilung durch eine qualifizierte Fachperson oder ein akkreditiertes Prüflabor. Verbindliche Aussagen zu Ihrem konkreten Fall sind nur auf Basis einer fachgerechten Probenahme und Laboranalyse möglich.