Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und dem besseren Verständnis des Themas. Er stellt keine individuelle rechtliche, gesundheitliche oder fachtechnische Beratung dar und ersetzt nicht die Beurteilung durch eine qualifizierte Fachperson oder ein akkreditiertes Prüflabor. Verbindliche Aussagen zu Ihrem konkreten Fall sind nur auf Basis einer fachgerechten Probenahme und Laboranalyse möglich.
Chlorid im Beton messen: Bohrmehl-Probenahme und Bewertung
Chlorid dringt von der Bauteiloberfläche in den Beton ein und wandert mit der Zeit immer tiefer. Um zu beurteilen, ob es die Bewehrung gefährdet, genügt kein einzelner Wert an der Oberfläche – gefragt ist ein Tiefenprofil. Dafür wird Bohrmehl (oder werden Scheiben eines Bohrkerns) in mehreren Tiefenstufen entnommen und jede Stufe einzeln analysiert. Üblicherweise werden Stufen wie 0–15 mm, 15–30 mm und 30–45 mm gewählt, sodass die tiefste Stufe die Lage der Bewehrung erreicht. Im Labor wird der Chloridgehalt in der Regel nach DIN EN 14629 als säurelöslicher Gesamtchloridgehalt bestimmt und auf die Zementmasse bezogen angegeben. Dieser Ratgeber erklärt, wie die Bohrmehl-Probenahme abläuft, wie daraus ein Tiefenprofil entsteht und wie der Wert nahe der Bewehrung eingeordnet wird.
Warum ein Tiefenprofil statt eines Oberflächenwerts
Der Chloridgehalt nimmt mit der Tiefe im Beton meist ab: An der Oberfläche, wo das Salz eingetragen wird, ist er am höchsten, weiter innen geringer. Für die Frage nach der Bewehrungskorrosion ist deshalb nicht der Wert an der Oberfläche maßgeblich, sondern der Gehalt in der Tiefe der Bewehrung – also auf Höhe der Betondeckung. Erst wenn das Chlorid dort einen kritischen Gehalt überschreitet, wird der Passivschutz des Stahls aufgehoben. Man spricht von Depassivierung. Anschließend kann örtlich Lochkorrosion einsetzen. Dafür müssen zusätzlich Feuchte und Sauerstoff vorhanden sein; ohne diese beiden Faktoren läuft die Korrosion trotz erhöhter Chloridwerte langsamer oder gar nicht ab.
Das Tiefenprofil beantwortet damit zwei Fragen auf einmal: Wie weit ist das Chlorid bereits vorgedrungen, und ist die kritische Zone am Stahl schon erreicht? Ein einzelner Bohrmehlwert ohne Tiefenbezug lässt sich dagegen kaum sinnvoll deuten – er könnte eine oberflächennahe Anreicherung ebenso abbilden wie eine Belastung direkt am Stahl.
Bohrmehl in Tiefenstufen entnehmen
Für die Probenahme wird Bohrmehl staffelweise gewonnen. Üblich ist eine Schlagbohrmaschine mit einem Hohlbohrer und einer Absaugvorrichtung, die das anfallende Mehl direkt auffängt. Entscheidend ist, dass jede Tiefenstufe getrennt aufgefangen wird: Man bohrt zunächst bis zur ersten Tiefe (etwa 0–15 mm), fängt dieses Material separat auf, bohrt dann bis zur nächsten Stufe (15–30 mm) und so weiter. Jede Stufe wird anschließend einzeln analysiert. So entsteht aus mehreren Einzelproben das Tiefenprofil.
Die Staffelung – zum Beispiel 0–15 mm, 15–30 mm und 30–45 mm – wird üblicherweise so gewählt, dass die tiefste Stufe die Bewehrungslage einschließt. Wie tief die Bewehrung tatsächlich liegt, hängt von der planmäßigen Betondeckung des Bauteils ab; ihre Lage lässt sich vorab zerstörungsfrei orten. Alternativ zum Bohrmehl können auch Scheiben eines entnommenen Bohrkerns tiefengestaffelt untersucht werden – das Prinzip bleibt dasselbe.
Ein Hinweis zur Einordnung: Chlorid ist in erster Linie ein Thema der Dauerhaftigkeit und Standsicherheit, also der Korrosion und Tragfähigkeit, und kein akutes Gesundheitsrisiko wie etwa Asbest. Steht bei einem Bauteil zusätzlich der Verdacht auf Asbest im Raum, ist bei der Probenahme besondere Vorsicht geboten, weil Fasern freigesetzt werden können; hier kann es sinnvoll sein, die Entnahme einer qualifizierten Fachfirma zu überlassen, statt selbst zu bohren.
Vom Bohrmehl zum Messwert: DIN EN 14629
Bevor gemessen wird, folgt im Labor die Probenaufbereitung. Das Bohrmehl wird üblicherweise gemahlen und getrocknet, damit eine homogene, repräsentative Analysenprobe entsteht. Erst danach beginnt die eigentliche Bestimmung.
Die Laborbestimmung erfolgt in der Regel nach DIN EN 14629. Ermittelt wird der Gesamtgehalt an säurelöslichem Chlorid im Festbeton, also die Summe aus freien und chemisch gebundenen Chloriden. Dazu wird die Probe mit Säure aufgeschlossen; anschließend wird der Chloridgehalt per potentiometrischer Titration mit einer Silbernitratlösung bestimmt. Das Ergebnis dient der Abschätzung des chloridinduzierten Bewehrungskorrosions-Risikos.
Warum der säurelösliche Gesamtgehalt und nicht nur der frei bewegliche Anteil? Weil auch gebundene Chloride unter veränderten Bedingungen – etwa bei fortschreitender Karbonatisierung – wieder frei werden können. Für die Beurteilung der Korrosionsgefahr betrachtet man deshalb üblicherweise den Gesamtgehalt.
Warum der Wert auf die Zementmasse bezogen wird
Ein Punkt sorgt oft für Verwirrung: Der Chloridgehalt wird nicht auf die Betonmasse bezogen, sondern auf die Zementmasse – angegeben als Masseprozent Chlorid bezogen auf Zement. Das hat einen Grund: Für die Korrosion ist das Verhältnis von Chlorid zum Zementstein entscheidend, nicht zur gesamten Betonmenge einschließlich Gesteinskörnung.
Der zunächst am Beton gemessene Wert wird daher umgerechnet – über den angenommenen oder tatsächlich bestimmten Zementgehalt beziehungsweise die Rohdichte des Betons. Erst diese Umrechnung macht das Ergebnis mit den gängigen Grenz- und Schwellenwerten vergleichbar. Ist der Zementgehalt unbekannt, muss er sinnvoll abgeschätzt werden; unsichere Annahmen an dieser Stelle wirken sich unmittelbar auf das Endergebnis aus.
Bewertung nahe der Bewehrung: der kritische Chloridgehalt
Für die Einordnung des Werts auf Bewehrungshöhe gibt es Orientierungsgrößen, aber keinen starren Einzelwert. Als Schwellenwert nennt die Instandhaltungs-Richtlinie des Deutschen Ausschusses für Stahlbeton (DAfStb, frühere „RiLi SIB") rund 0,5 Masseprozent bezogen auf Zement. Aus der Praxis ist bekannt, dass bei fachgerecht hergestelltem und verdichtetem Beton unterhalb von etwa 0,4 Masseprozent (bezogen auf Zement) auf Bewehrungshöhe keine relevanten Korrosionsfälle bekannt sind.
Diese Zahlen sind ausdrücklich Orientierungswerte. Der tatsächlich kritische, korrosionsauslösende Chloridgehalt hängt von mehreren Faktoren ab – unter anderem vom Feuchtegehalt, von der Betonqualität und von der Karbonatisierung. Deshalb ist er im Einzelfall vom sachkundigen Planer festzulegen (so das DAfStb-Positionspapier von 2015). Ein Messwert allein trifft also noch keine Entscheidung; er liefert die Datengrundlage, die eine fachkundige Person im Zusammenhang mit dem Bauteil und seinem Zustand beurteilt.
Von diesen Schwellen für den Bestandsbeton zu unterscheiden sind die Grenzwerte für Neubau und Frischbeton. DIN EN 206 und DIN 1045-2 begrenzen den Chloridgehalt über sogenannte Chloridklassen: Cl 0,20 für Spannbeton, Cl 0,40 für Stahlbeton beziehungsweise bewehrten Beton und Cl 1,0 für unbewehrten Beton – jeweils als Masseprozent Chlorid bezogen auf Zement. Wichtig ist die Lesart: Das sind Höchstwerte für die Ausgangsstoffe bei der Herstellung, nicht der Korrosions-Schwellenwert im Bestandsbeton. Beide Betrachtungen nutzen dieselbe Bezugsgröße (Zementmasse), beantworten aber unterschiedliche Fragen.
Feststoff oder Eluat – was ist die richtige Analyse?
Für die Korrosions- und Bauwerksbeurteilung ist der Gesamtchloridgehalt aus der Feststoffanalyse maßgeblich, weil er freie und gebundene Chloride erfasst. Die Eluat-Analyse misst dagegen den wasserlöslichen, also den frei mobilisierbaren Anteil. Sie beschreibt eher, wie viel Chlorid ausgewaschen werden kann, und wird häufig für andere Fragestellungen herangezogen – etwa im Zusammenhang mit Entsorgung und Deponie-Zuordnung.
Kurz gesagt: Geht es um die Frage, ob die Bewehrung gefährdet ist, führt in der Regel die Feststoffanalyse zum Ziel. Geht es um die Verwertung oder Entsorgung von Material, kann die Eluat-Analyse die passendere Wahl sein. Welches Verfahren im konkreten Fall sinnvoll ist, lässt sich seriös nur nach Sichtung von Material und Fragestellung sagen.
Woher das Chlorid stammt und welche Verfahren es sonst gibt
Typische Eintragsquellen sind Tausalz (Streusalz) aus dem Winterdienst, Meerwasser und salzhaltige Meeresluft sowie – historisch – chloridhaltige Zusatzmittel und Zuschläge. Besonders betroffen sind Parkbauten, Tiefgaragen, Brücken, Balkone und Küstenbauwerke, weil dort salzhaltiges Wasser dauerhaft auf den Beton einwirkt.
Neben der Bestimmung nach DIN EN 14629 gibt es ergänzende und alternative Verfahren. Als ältere deutsche Methode ist das DAfStb-Heft 401 zu nennen. Zerstörungsarme Verfahren wie LIBS (laserinduzierte Plasmaspektroskopie, beschrieben im DGZfP-Merkblatt B14) können ein Chloridprofil ebenfalls abbilden. Vor-Ort-Schnelltests liefern zwar rasch einen Anhaltspunkt, ersetzen aber keine quantitative Laboranalyse.
Wer eine solche Untersuchung erwägt, findet die Details zur Chlorid-Analyse im Feststoff auf der Bestellseite. Das Modell dahinter: online bestellen, die Materialprobe per Post einsenden und eine verständliche Bewertung im Kundenportal erhalten. Betrieben wird Schadstoffalarm.de von der GUNICO Crown UG in Büttelborn; die Auswertung erfolgt in externen, teils DAkkS-akkreditierten Partnerlaboren. Zur Ehrlichkeit gehört ein klarer Hinweis: Der Betreiber selbst ist nicht akkreditiert, und nicht jedes Verfahren läuft akkreditiert. Ob ein konkretes Verfahren DAkkS-akkreditiert ist, hängt vom jeweiligen Partnerlabor und Prüfumfang ab und wird nicht pauschal versprochen.
Häufige Fragen
Wie wird Chlorid im Bestandsbeton gemessen? Man entnimmt Bohrmehl in mehreren Tiefenstufen (zum Beispiel 0–15 / 15–30 / 30–45 mm) mit Hohlbohrer und Absaugung. Im Labor wird nach DIN EN 14629 der säurelösliche Gesamtchloridgehalt per Säureaufschluss und potentiometrischer Titration bestimmt und als Masseprozent bezogen auf Zement angegeben.
Ab welchem Chloridgehalt korrodiert die Bewehrung? Als Orientierung gilt ein Schwellenwert von rund 0,5 Masseprozent bezogen auf Zement; unterhalb etwa 0,4 Masseprozent sind bei fachgerechtem Beton praktisch keine Schäden bekannt. Es ist aber kein starrer Wert – der sachkundige Planer legt den kritischen Gehalt im Einzelfall abhängig von Feuchte und Betonqualität fest.
Warum wird in Tiefenstufen gebohrt und nicht nur oberflächlich? Der Chloridgehalt nimmt mit der Tiefe meist ab. Entscheidend ist der Gehalt auf Höhe der Bewehrung (Betondeckung). Das Tiefenprofil zeigt, wie weit das Chlorid vorgedrungen ist und ob die kritische Zone am Stahl bereits erreicht wurde.
Feststoff- oder Eluat-Analyse – was ist richtig? Für die Beurteilung der Bewehrungskorrosion ist die Feststoffanalyse (Gesamtchloridgehalt) maßgeblich, weil sie freie und gebundene Chloride erfasst. Die Eluat-Analyse (wasserlöslicher Anteil) wird eher für Entsorgungs- und Deponiefragen genutzt.
Wird der Chloridwert auf den Beton oder auf den Zement bezogen? Grenz- und Schwellenwerte gelten immer bezogen auf die Zementmasse (Masseprozent Chlorid bezogen auf Zement). Ein am Beton gemessener Wert wird über den Zementgehalt beziehungsweise die Rohdichte des Betons entsprechend umgerechnet, damit er vergleichbar ist.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und dem besseren Verständnis des Themas. Er stellt keine individuelle rechtliche, gesundheitliche oder fachtechnische Beratung dar und ersetzt nicht die Beurteilung durch eine qualifizierte Fachperson oder ein akkreditiertes Prüflabor. Verbindliche Aussagen zu Ihrem konkreten Fall sind nur auf Basis einer fachgerechten Probenahme und Laboranalyse möglich.